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24.02.2002

19:00 Uhr

Institute in Köln und Hannover suchen eigene Wege zu mehr Größe

Sparkassen gegen Fusionen mit Landesbanken

In den Sparkassen brodelt die Diskussion um die Zukunft der Organisation. Vor allem die Chefs der Großsparkassen marschieren voran. In Köln und Hannover strebt man nach größeren Einheiten, achtet allerdings auf Distanz zu den Landesbanken im eigenen Verbund.

cd/stw DÜSSELDORF/HANNOVER. Die Sparkassen lehnen vertikale Fusionen mit Landesbanken ab. Sie seien Miteigentümer der Landesbanken, nicht umgekehrt, sagte Gustav Adolf Schröder, Bundesobmann der Sparkassen und Chef der Stadtsparkasse Köln: "Wenn man die Eltern verschlingen würde, dann passte das nicht ganz in diese Welt." Von solchen Fusionen profitierten nur die Landesbanken, unter anderem durch eine günstigere Rating-Einstufung. Verlierer seien die Sparkassen, die ihre Selbstständigkeit verlören, warnte Schröder. Verfechter einer vertikalen Fusion verweisen dagegen auf die erfolgreiche Integration der Landesgirokasse - einst die größte Sparkasse in Deutschland - in die Landesbank Baden-Württemberg.

Auf Distanz zu den Landesbanken achtet auch Schröders Kollege Bernhard Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Hannover. Die Sparkassen würden nicht in einem gemeinsamen Sicherungsfonds für die Risiken der Landesbanken eintreten, sagte er bei der Vorstellung der Jahreszahlen. In Feldern wie Corporate Finance sollten sie den Landesbanken nach seiner Überzeugung auch am Markt stärker "Paroli bieten".

Auf dem Gebiet sieht Schröder, Chef der größten öffentlichen Sparkasse in Deutschland, einen wichtigen Fortschritt bei der Kooperation von acht Großsparkassen, den so genannten G 8. Sie wollen eines der vier bis sechs von der Sparkassenorganisation geplanten Zentren für Corporate Finance betreiben, neben interessierten Landesbanken.

Auch sonst mache das Bündnis gute Fortschritte, sagte Schröder. Die Sparkassen müssten ihre Wertschöpfungskette verkürzen, also Abwicklungsbereiche bündeln. Notwendig sei die Bereitschaft zur Bildung größerer Einheiten in den Regionen. Allein im Rheinland gebe es zwischen 22 der 50 Sparkassen Gespräche über Fusionen. Sein Haus warte allerdings ab. Auch die Existenz zweier Sparkassenverbände in NRW hält er für einen "Anachronismus".

In Hannover ist man einen Schritt weiter. Wenn sich die Politik schnell genug über die künftige Trägerschaft einigten, könne sein Institut noch in diesem Jahr mit der Stadtsparkasse Hannover fusionieren, sagte Schäfer. Sollten Wertgutachten und Verhandlungen über Ausgleichzahlungen nötig werden, könne es auch noch zwei bis drei Jahre dauern. Die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs sinke dann von 90 auf 60 Prozent. Die Fusion verspreche sowohl am Markt als auch auf der Kostenseite erhebliches Potenzial, sagte Schäfer. Mittelfristig könne man das Betriebsergebnis auf 1,3 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS) bringen. In 2001 hätten die Sparkassen bundesweit durchschnittlich 0,83 Prozent erreicht, berichtete Bundesobmann Schröder.

Schäfer verwies auf die 0,98 Prozent, welche die Kreissparkasse Hannover im vergangenen Jahr in einem sehr schwierigen Marktumfeld erreicht habe. Die Bilanzsumme sei zwar geschrumpft, man habe aber vor allem margenschwaches Geschäft verloren. Dank eines gesunkenen Steueraufwands stand unter dem Strich mit 22 Mill. Euro der bisher höchste Jahresüberschuss.

Das Ergebnis der Stadtsparkasse Köln ist 2001 auf Grund einer deutlich höheren Risikovorsorge und Wertberichtigungen abgerutscht. Das Ergebnis nach Bewertung und Risikovorsorge sank um mehr als 44 % Prozent auf 65 (117) Mill. Euro. Vor Bewertung und Risikovorsorge gab das Betriebsergebnis um 5,8 % auf 178 (189) Mill. Euro nach.

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