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19.07.2000

09:57 Uhr

Intel mit derart günstigen Aussichten wie lange nicht mehr?

Analysten-Kontroverse über Intel-Bewertung

Intel rechnet mit einer Umsatzsteigerung, die über die 8,3 Mrd $ des zweiten Quartals hinaus geht

vwd NEW YORK. Die hohen Kapitalgewinne von 2,3 Mrd Dollar der Intel Corp, Santa Clara, im zweiten Quartal haben unter Analysten zu einer Kontroverse über die Bewertung der Unternehmenszahlen geführt. Sieben von 28 Analysten hatten sich kürzlich bereits geweigert, ihre Quartalsschätzungen zu erhöhen, nachdem Intel bekannt gegeben hatte, die Kapitalgewinne dürften sich im zweiten Quartal auf 2,3 Mrd $ summieren. Vor dem Verkauf von 20 Mill. Micron Technology-Aktien waren 725 Mill. $ als Prognose genannt worden. Die Analysten bemängeln seither, dass Intels Ergebnis von einmaligen, nichtwiederholbaren Gewinnen verwässert werde.

Tatsächlich dürfte der Anteil am Gewinn je Aktie von 0,50 $ im zweiten Quartal nach Aktiensplit durch Kapitalerträge und Beteiligungsveräußerungen bei etwa 0,15 $ liegen. Es sei daher schwierig, bei Intel Äpfel nicht mit Birnen zu vergleichen, sagte Drew Peck, Analyst bei S.G. Cowen & Co. Intel selbst verwies in Reaktion auf die Kontroverse darauf, dass der Wert ihres Portfolios wegen des Kursverfalls im Zeitraum vom 1. April bis zum 1. Juli auf 7,5 Mrd. von 10,8 Mrd. $ zusammen geschmolzen sei. Auch Ashok Kumar von Piper Jaffray Securities, einer jener Analysten, die jüngst rebelliert hatten, räumt ein, dass Intel ein gutes Ergebnis erzielt hat.

Selbst bei Nichtberücksichtigung der Kapitalgewinnsteigerung wäre die ursprüngliche Analystenschätzung von 0,74 $ je Aktie vor Aktiensplit um 0,01 $ übertroffen worden, sagt Kumar. Er hält Intel zugute, bisher bei ihren Schätzungen eher konservativ vorgegangen zu sein. Er erwartet im dritten Quartal ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber dem zweiten Quartal auf 9,0 Mrd. $. Das entspräche einem 23-prozentigen Umsatzplus in Jahressicht. Intel selbst rechnet nur mit einer Umsatzsteigerung, die über die 8,3 Mrd $ des zweiten Quartals hinaus geht. Die Rohgewinnspanne wird mit 63 bis 64 % prognostiziert.

Mark Edelstone, Managing Director von Morgan Stanley Dean Witter, hält in diesem Zusammenhang die 0,18-Micron-Prozesstechnologie von Intel für entscheidend. Durch sie würden die Herstellungskosten pro Einheit sinken und der Ausstoß gesteigert. Intel selbst geht davon aus, der gestiegenen Nachfrage im dritten Quartal besser gerecht werden zu können. Hans Mosesmann von Prudential Securities sieht Intel mit derart günstigen Aussichten wie lange nicht mehr. Unterdessen verweisen andere Analysten darauf, dass sich Intel-Konkurrent Advanced Micro Devices Inc, Sunnyvale, im zweiten Quartal besser entwickelt habe.

So habe Advanced Micro nicht nur mehrfach schnellere Prozessoren heraus gebracht als Intel. Zusätzlich konnte das Unternehmen ihren durchschnittlichen Verkaufspreis für einen Prozessor um 16 auf 103 $ steigern, während Intels durchschnittlicher Verkaufspreis um drei auf 189 USD sank.



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