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04.02.2002

15:00 Uhr

Intensiver Preiswettbwerb in Nordamerika

Daimler-Chrysler kürzt eventuell die Dividende

Der Stuttgarter Autokonzern Daimler-Chrysler wird nach einem Zeitungsbericht seine Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr um rund ein Drittel senken. Ein Sprecher des Unternehmens wollte den Bericht auf Anfrage am Montag nicht kommentieren. Daimler-Chrysler werde zu dem Thema am Mittwoch Stellung nehmen, sagte er lediglich.

Reuters FRANKFURT. Die "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) hatte unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, der Vorstand des weltweit fünftgrößten Automobilherstellers werde auf Grund schlechterer Geschäfte 2001 voraussichtlich eine Dividendenkürzung auf etwa 1,50 ? von 2,35 ? empfehlen. Dies wäre die erste Kürzung des Konzerns seit der Fusion von Daimler und Chrysler im Jahr 1998. Die Aktie gab in einem schwächeren Gesamtmarkt allerdings nur leicht nach.

Von Reuters befragte Analysten gehen im Schnitt von einer Dividende von 1,58 ? für das abgelaufene Jahr aus. Für 2000 hatte Daimler-Chrysler 2,35 ? Dividende ausgeschüttet. Zur Wochenmitte wird sich der Autohersteller bei der Bekanntgabe seiner Geschäftszahlen nach Einschätzung von Reuters befragter Analysten zwar über Dividende und Gewinnentwicklung 2001 äußern, nicht aber zur erwarteten Entwicklung 2002. Daimler-Chrysler hatte bereits mitgeteilt, dass 2001 mit voraussichtlich rund 1,2 Mrd. ? ein operatives Ergebnis am unteren Ende der eigenen Prognosen erzielt wurde.

Daimler-Chrysler hatte jüngst schon Spekulationen um eine mögliche Dividendenkürzung nicht kommentieren wollen und für den 6. Februar eine Mitteilung angekündigt. Vorstandschef Jürgen Schrempp werde die vermeintliche Dividendenkürzung den Aktionären möglicherweise mit einem intensiven Preiswettbewerb auf dem Pkw- und Lkw-Markt in Nordamerika und Europa begründen, schrieb die Zeitung weiter. Der Konzern könne damit mehr als 1 Mrd. ? sparen.

"Psychologisches Problem"

"Sollte Daimler-Chrysler seine Dividende reduzieren, was der Konzern nie zuvor getan hat, schafft das ein psychologisches Problem. Es bedeutet, dass das Unternehmen keine großartige Verbesserung zu berichten hat", sagte ein Frankfurter Börsianer.

Trotz des schwachen Signals, das von einer Dividendenkürzung ausgesendet würde, haben einige Analysten einen solchen Schritt gefordert, um die schlechtere Geschäftslage zu reflektieren. "Es macht keinen Sinn, eine hohe Dividende zu zahlen, wenn der Betrieb Cash verbrennt", sagte Morgan-Stanley-Analyst Greg Melich. Er bewerte die Aktie derzeit mit "neutral". Die Anteilsscheine tendierten am frühen Nachmittag in einem schwächeren Gesamtmarkt 0,5 % im Minus bei 46,31 ?.

In den vergangenen Tagen war die Daimler-Chrysler-Aktie unter Druck geraten, als Spekulationen aufkamen, Daimler-Chrysler könne möglicherweise das eigene Ziel von 5,5 bis 6,5 Mrd. ? für das operative Ergebnis in diesem Jahr nicht erreichen und die Prognose revidieren. Auch halten sich Gerüchte, der Konzern könnte 2002 entgegen der eigenen Planungen bei der US-Tochter Chrysler die Gewinnschwelle noch nicht erreichen.

Daimler-Chrysler hat nach Einschätzung von Analysten im vierten Quartal 2001 voraussichtlich einen operativen Gewinn von rund 500 Mill. ? erwirtschaftet. Zehn befragte Analysten rechnen für das Schlussquartal bei Daimler-Chrysler mit einem operativen Gewinn zwischen 419 und 857 Mill. ?, im Durchschnitt wird ein Betriebsgewinn von 499 Mill. ? erwartet. Im vierten Quartal 2000 hatte der deutsch-amerikanische Automobilhersteller einen operativen Verlust von 405 Mill. ? verbucht.

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