Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2001

13:56 Uhr

Internationales Presse-Kolloquium der Telekom

"Branding" sichert Überleben im Internet

Für den Medienprofi Karl-Ulrich Kuhlo gibt es für das Überleben für Internetportale nur ein Rezept: das so genannte Branding. Die Marken signalisierten zuverlässig, wofür sie stehen, sagte Kuhlo auf dem Internationalen Presse-Kolloquium der Deutschen Telekom, das am Freitag in Berlin zu Ende ging.

Reuters BERLIN. Im Dschungel der Protale und Angebot finde sich der Nutzer zwangläufig nur schwer zurecht. Für Stefan Morschheuser, Firmenchef bei der Atrada Trading Network AG, ist die Liquidität eines E-Commerce-Marktplatzes entscheidend. Werde auf Käufer- und Verkäuferseite die kritische Masse erreicht, setze sich ein eigendynamisches Wachstum in Gang.

Kuhlo, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Fernsehnachrichtensenders n-tv, sagte, noch gebe es zahllose Portale und unendlich viele Unternehmer, die sich ins E-Business gewagt hätten. Aber eben nicht alles was "E" heiße, sei zwangsläufig schon rentabel. Im Dickicht der Protale signalisiere letztlich nur die Marke, das Branding, dem Nutzer: "Wo n-tv draufsteht, ist auch n-tv drin. Der Rest ist Marketing." Und da sieht Kuhlo seinen Sender als idealen Promoter der eigenen, gleichnamigen Web-Seite.

Macht der "T"-Marke

Die geballte Macht der "T"-Marke - wie T-Aktie, T-Online, T-Mobil - will die Telekom für ihr neues Portal T-Info nutzen. Mit T-Info sollen die klassischen Druckprodukte Telefonbücher und Gelbe Seiten elektronisch aufbereitet werden, wie Frank-Peter Oppenborn, Geschäftsführender Gesellschafter beim Schlüterschen Verlag und Druckerei, zu dem Gemeinschaftsprodukt von Verlagen mit der Telekom ausführte. Der Bekanntheitsgrad der Gelben Seiten liege mit 93 % nur knapp hinter Coca-Cola, sagte er. Im März wird für das Projekt, das um weitere Inhalte wie Nachrichten, Börsenkurse oder etwa Kinoprogramme ergänzt werden soll, Grünes Licht erwartet.

Für den Vorstandschef der I Media AG, -D Bernd Kolb, dessen Unternehmen an der Gestaltung von T-Info mitarbeitet, braucht das Internet nicht mehr Anbieter sondern bessere Angebote. "Viele kleine Anbieter werden auf der Strecke bleiben", sagte Kolb. Wer überleben und Geld verdienen wolle, brauche Traffic, sagte Kuhlo. Und ohne vorhandenen Markenname sei es überaus teuer, über Werbung Page Impressions, also "Traffic", zu generieren.

Für Morschheuser, dessen Firma mehrheitlich von der Telekom-Tochter T-Online Internationale kontrolliert wird, hat das "große Gewitter" im Internet-Business, dem auch Marktplatz- und Protalkonzepte zum Opfer gefallen seien, die Diskussion jetzt auf Nachhaltigkeit und Substanz verlagert. Dies zeige sich an Kooperationen großer Unternehmen in speziellen Branchen.

Beispielhaft steht hier etwa T-Mart, über das die Telekom ihren Einkauf abwickeln will. Telekom-Vorstand Gerd Tenzer sagte zu dem im Oktober vergangenen Jahres aufgebauten Marktplatz, bei Internetauktionen seien Preisvorteile bis zu 30 % erzielt worden. Die Telekom werde diesen Weg verschärft weiter gehen. "Wer nicht teilnimmt, bekommt keinen Auftrag", gab Tenzer die Richtung vor. Und in der Chemiebranche hat die Telekom jüngst mit Bayer und Hoechst das Einkaufsportal Chemplorer aufgebaut.

Man brauche generell die kritische Masse, sagte Chemplorer-Geschäftsführer Christian Rast. Auch wenn bereits 2000 Lieferanten gelistet und seit Oktober rund 120 000 Transaktionen stattgefunden hätten, müsse das Portal weiter ausgebaut werden. Globalisierung sei nötig angesichts der weltweit agierenden Chemie-Konzerne.

Für Nokia-Manager Kalevi Kaartinen gibt es bei den Endnutzern zwei Gruppen: Es gibt Menschen, die Zeit, aber kein Geld haben und solche, die Geld, aber keine Zeit haben. Und für die Zielgruppe mit Geld müssten Anbieter künftig zielgenaue, personifizierte Content-Pakete bauen.

Portale sind Marken

"Portale sind Marken", sagte der Schweizer Jörg Zintzmeyer, Vorstandschef bei der Interbrand Zintzmeyer & Lux AG. Und Marken gäben Orientierung und Identifikation. Das Portal müsse für den Nutzer das Gefühl mein Zuhause, "mein Internet" geben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×