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08.01.2003

08:15 Uhr

Interne Aufräumarbeiten stehen im Vordergrund

Italiens Banken sammeln ihre Kräfte

VonMarcello Berni

Die weltweite Baisse an den Aktienmärkten hat auch einige italienische Banken stark mitgenommen. Überdies sind nach der Konsolidierungswelle der vergangenen Jahre eine Reihe von Übernahmen noch nicht verdaut. Kostensenkung durch Personalabbau und Umstrukturierungen prägen das Bild 2003. Einzig der Bank Unicredito Italiano wird weitere Expansion zugetraut.

MAILAND. Italiens Banken sind im Moment stark mit sich selbst beschäftigt. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass auch das neue Jahr wiederum stärker durch innere Aufräumarbeiten als durch visionäre Expansionsstrategien geprägt sein wird. Die Zukäufe und Fusionen der Vergangenheit müssen verdaut, die Konzerne neu ausgerichtet werden. Mit Ausnahme der außerordentlich wettbewerbsstarken Unicredito Italiano trauen Experten keiner der Großbanken zu, im In- oder gar Ausland die Rolle eines "Konsolidierers" spielen zu können. Erst müssten sie Ordnung im eigenen Hause schaffen, die Kostenstrukturen verbessern und schlüssige Strategien entwickeln.

So dürften denn 2003 die Top-Themen der italienischen Finanzszene der Abbau von Personal, die Optimierung der Prozesse und die Verringerung der Risikoaktiva bleiben. Insgesamt werden nach Informationen des Verbandes L'Associazione Bancaria Italiana (Abi) in den nächsten drei Jahren 20 000 Arbeitsplätze gestrichen werden; allein bei der größten Bank des Landes, Banca Intesa, sind es 6 900. Die Kreditinstitute südlich des Brenners werden sich auf ihre traditionell defensiven Qualitäten besinnen, heißt es. Dem klassischen Retail-Geschäft schenkt man jetzt wieder mehr Aufmerksamkeit als der Vermögensverwaltung oder dem Investmentbanking. In den Boom-Jahren 1999 und 2000 waren die Kommissionserlöse dank der massiven Umschichtung des Sparvermögens von festverzinslichen Staatspapieren in andere Anlagen geradezu explodiert. Die Rückflüsse wegen des schwachen Aktienmarktes haben diese Einnahmen empfindlich getroffen, worunter vor allem die auf Privatkunden und den italienischen Mittelstand konzentrierten Institute leiden.

Allen voran krempelt sich in diesen Monaten der Marktführer, Banca Intesa, um. Das Mailänder Institut war in den letzten Jahren nach der Fusion mit der Banca Commerciale Italiana im Ausland und im Geschäft mit Großkonzernen stark gewachsen.

Nachdem vor allem durch die Wirtschaftskrise in Südamerika und die großen Pleiten (z.B. Enron, Swissair, Worldcom) hohe Verluste aufgelaufen sind, kehrt der seit dem Frühling amtierende Bankchef Corrado Passera mit eisernem Besen. Er hat die Kreditvergabe an internationale Großkonzerne drastisch reduziert und will alle Südamerika-Töchter verkaufen. Bislang hat er die Bilanz um rund 10% auf 290 Mrd. Euro verkürzt, wodurch die zuvor besorgniserregend niedrige Eigenkapitalquote deutlich gestiegen ist. 2003 wird Intesa die Kosten senken und versuchen, zumindest in Teilen das Geschäftsmodell des erfolgreichen Ortsrivalen Unicredito zu kopieren. Ziel ist, das Betriebsergebnis von 1 Mrd. (2001) auf 4 Mrd. Euro in 2005 zu steigern.

Eine ähnliche Kur - wenn auch nicht so radikal - absolviert die drittgrößte Bank Italiens, San Paolo IMI aus Turin. Kosten sparen und Bilanz bereinigen lautet hier das Motto. Nach der Übernahme des nordostitalienischen Sparkassenverbundes Banca Cardine hat das Institut wieder einen stärkeren "Retail-Charakter". Davor war das Schicksal von San Paolo wegen der Kontrollbeteiligung des Vermögensverwalters Banca Fideuram und der eigenen Asset-Management-Töchter von der Lage an den Aktienmärkten abhängig. Nun geht es darum, Cardine und die davor zugekauften Banco di Napoli voll zu integrieren.

Gleiches muss Capitalia, die frühere Banca di Roma und Italiens viertgrößte Bank nach der Fusion mit dem einst hochfliegenden Hoffnungsträger Bipop-Carire leisten. Gegenwärtig sucht sie Käufer für die deutsche Tochter Entrium, mittelfristig ruhen die Hoffnungen auf dem angesehenen neuen Generaldirektor Matteo Arpe.

Nahezu frei von diesen teils hausgemachten, teils marktbedingten Schwierigkeiten darf sich allein die Unicredito Italiano fühlen. In den ersten neun Monaten des Jahres hat das von Alessandro Profumo geleitete Institut den Nettogewinn trotz des misslichen Umfeldes um 4% auf fast 1,6 Mrd. Euro gesteigert. Das Projekt S3, die Schaffung von drei spezialisierten Instituten für Privatkunden, Vermögende und Firmenkunden unter einer schlanken Holding, trägt erste Früchte. Bei sehr guten Kennzahlen und einer Marktkapitalisierung von über 23 Mrd. Euro ist nur die Frage, welchen Konkurrenten Profumo kaufen wird. Nachdem die Gespräche zwischen der fünft- und sechstgrößten Bank des Landes, Montepaschi di Siena und Banca Nazionale del Lavoro, faktisch gescheitert sind, könnte sich Unicredito die auf Firmenkunden spezialisierte BNL sichern.

Quelle: Handelsblatt

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