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15.01.2003

20:30 Uhr

Internet an Bord

Report: E-Mail für Lufthansa-Flug LH418

VonMatthias Eberle

"Apollo 13, wir können Dich hören", schreibt die Düsseldorfer Redaktion und schickt via Mail freundliche Grüße gen Himmel. Die nagende Unsicherheit weicht mittelmäßiger Begeisterung - der Laie staunt, der Fachmann wundert sich. Tatsächlich, die E-Mail-Nachricht von Flug LH 418 ist auf Planet Mittelerde angekommen - aus 11 000 Meter Höhe, bei 900 km/h Geschwindigkeit.

Aber wir sollten ehrlich bleiben: Ohne diese netten Typen in weißen T-Shirts mit der markanten Aufschrift "FlyNet Assistant" wäre es wohl nie etwas geworden mit der persönlichen Internet-Premiere an Bord eines Lufthansa-Flugzeugs. Am Anfang war nur der Frust und die Ohnmacht eines Journalisten, der mit der technischen Umsetzung von ISDN und DSL und WLAN schon am Boden seine Schwierigkeiten hat. Über den Wolken wird´s nicht eben einfacher, nur enger: Das firmeneigene Laptop macht zunächst keine Anstalten, sich an das neue Zeitalter des "fliegenden Büros" zu gewöhnen.

Hilfe eilt herbei, schließlich will Lufthansa bei der Weltpremiere niemanden heulen sehen: Die Ethernetkarte sei halt noch nicht aktiviert, erklärt ein Mitarbeiter des FlyNet genannten Lufthansa-Projekts. Gleich drei dieser Technik-Experten kümmern sich in der Einführungsphase um die 380 Passagiere, die in den Boeing-Jumbo "Sachsen Anhalt" passen. Zum Glück. Deren Ratschläge machen so manch verzweifelte Person im Handumdrehen glücklich: "Klicken Sie auf Start, Einstellungen, Netzwerk & DFÜ-Verbindungen. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über den Punkt LAN-Verbindung und aktivieren sie die Ethernetkarte", heißt es. Klick, Klick, Doppelklick - und plötzlich ist Düsseldorf und die Arbeit ganz nah: Das letzte Konferenzprotokoll liegt im Briefkasten, der neuste Tagesplan ist da - und eine Nachricht vom Chef, sich bitte umgehend zu melden. Notfalls per Mail, im Flugzeug, am besten sofort!

Ist das der Fortschritt? Bei genauer Betrachtung ist vielmehr eine der letzten Bastionen des Friedens gestürmt - die himmlische Ruhe während eines Langstreckenflugs: Ein feines Essen, ein nettes Filmchen, ein Schlückchen Alkohol, das zum Nickerchen verhilft - aus und vorbei. Die Ankündiung, Lufthansa werde nächstes Jahr nicht nur den Jet auf der Washington-Strecke, sondern bald alle 80 Langstreckenflugzeuge mit High-Speed-Internet bestücken, klingt mit einem Mal wie eine Drohung. Der designierte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber lässt bald nach dem Abflug verkünden, er habe schon die Agenda der nächsten Vorstandsvorlage durchgeackert. Außerdem sei der Ministerpräsident von Sachsen Anhalt gerade kontaktiert worden - via E-Mail. Der Mann geht voran, von wegen Ruhepause.

Doch wir wollen es nicht gar so negativ sehen. Das Abenteuer "Surfen über den Wolken" - es ist vollbracht. Der Fortschritt ist keine Schnecke, nicht überall in Deutschland. In der Tat funktioniert das Versenden von elektronischer Post oder das Surfen im Internet schnell und problemlos, sobald die Laptops ordentlich konfiguriert und auf die neue Lufthansa-Wunderwaffe abgestimmt sind. Ein Rundgang durch die Boeing 747, die mit 380 Passagieren samt ihren diversen Laptops bestückt ist, zeigt durchweg angespannte, aber zufriedene Gesichter: Nahezu jeder klappert, surft und studiert, blickt auf Sportergebnisse, Börsenkurse und die aktuellsten Nachrichten. Eine Umfrage der Lufthansa in der Vorbereitung des Pilotprojekts zeigt: Zumindest die Hälfte der Kundschaft will auch über Grönland den Kontakt zur Erde und zum Büro nicht missen. Mit anderen Worten: Sie hat es nicht anders gewollt.

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