Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.05.2000

12:31 Uhr

Internet-Banking

HBCI - Schutz für das Online-Konto

VonFRIEDERIKE STORZ

Internet-Banking läuft im Gegensatz zum Homebanking über die offenen Netze des World Wide Web. Mit dem Sicherheitsstandard HBCI wollen die Banken dieses Geschäft absichern.

Online-Banking boomt. Immer mehr Banken bieten Kontoführung per Internet an. Mittlerweile erledigen über sechs Millionen Deutsche ihre Bankgeschäfte am PC. Der Vorteil: Online-Banking ist bequem, da der Weg in die Filiale entfällt. Der Nutzer ist unabhängig von den Schalterstunden der Bank, die Kontodaten sind rund um die Uhr am eigenen Computer verfügbar.

Die meisten Bankgeschäfte werden derzeit noch über Onlinedienste abgewickelt. So waren im vergangenen Jahr beim Marktführer T-Online, dem Online-Dienst der Deutschen Telekom, insgesamt 5,7 Millionen Konten registriert. Die Kontodaten werden über eine feste Telefonverbindung zum Server des Onlinedienstes übertragen, der wiederum direkt mit dem Rechner der Bank verbunden ist. Homebanking gilt daher als sicher.

Auf dem Vormarsch ist das Internetbanking. Im Unterschied zum Homebanking loggt sich der Kunde direkt auf der Homepage der jeweiligen Bank ein. Überweisungen, Kontoabfragen oder Aktienorders nehmen den Weg durch das World Wide Web. Der Vorteil des Internet-Banking: Man ist nicht an einen Provider gebunden und hat weltweit Zugriff auf sein Konto - auch im Urlaub oder auf Geschäftsreisen und sogar von fremden PC aus. Der Bundesverband Deutscher Banken rechnet für das Jahr 2000 mit 1,5 Millionen solcher Internet-Konten. 1999 waren es bereits 0,7 Millionen.

Beim Internet-Banking müssen höhere Sicherheitsanforderungen erfüllt werden. Denn die Daten strömen im Unterschied zum Homebanking durch ein offenes Netz. Mit dem neuen Sicherheitsstandard HBCI (Homebanking Computer Interface) wollen die Banken für eine sichere Datenübertragung im Internet sorgen. Damit niemand die vertraulichen Kontoinformationen liest, abfängt oder gar verändert, werden die Daten besonders verschlüsselt.

Der neue Standard, auf den sich die Banken geeinigt haben, sichert die Online-Transaktionen gleich dreifach ab: Mit einer Chipkarte, dem Kennwort für die Karte, das der Kunde selbst wählen kann, und den privaten und öffentlichen Datenschlüsseln für die Kommunikation zwischen Kunde und Bank.

Das neue HBCI-Verfahren wird jedoch längst nicht von allen Banken genutzt. Bei einer Stichprobe der Stiftung Warentest Ende vergangenen Jahres boten nur vier die HBCI-Option an. Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA), der die HBCI-Aktivitäten der deutschen Banken koordiniert, führt aktuell 14 Banken in seiner Liste der HBCI-fähigen Online-Banken. Dazu gehören die großen Banken wie die Deutsche Bank 24, Dresdner Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und BfG-Bank. Daneben bieten die Advance Bank, Vereins und Westbank, - die Hamburger Sparkasse und einige private Bankhäuser den speziellen Verschlüsselungsstandard. Laut ZKA sind auch 400 Volksbanken HBCI-fähig. Bei weiteren großen Privat- und Direktbanken ist die Einführung in der Vorbereitung.

Die Sicherung des Datenverkehrs funktioniert über eine Chipkarte und eine dazugehörige Persönliche Identifikationsnummer (PIN). Mit ihr legitimiert sich der Nutzer vor jeder Transaktion. Der Haken: HBCI-Heimbanker brauchen einen speziellen Chipkartenleser, der bei einigen Banken zwischen 30 und 50 Mark kostet.

Verbraucherschützer kritisieren auch die Haftungsbestimmungen beim Internet-Banking. Läuft etwas schief beim Online-Geldverkehr, wälzen die meisten Banken das Risiko auf den Kunden ab. Er muss im Zweifelsfall nachweisen, dass er sich nicht fahrlässig verhalten, sondern dass die Bank falsch gehandelt hat. Die BfG Bank war die erste Bank, die bei der Verbraucherfreundlichkeit nachbesserte und zum Beginn dieses Jahres die Beweislast umkehrte. Wird ein Online-Geschäft bei der Bank nicht korrekt abgewickelt oder besteht Verdacht auf Manipulation, liegt die Beweislast bei der BfG. Als Grund für die Regelung nennt die Bank ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von HBCI. Nach Angaben der Bank traten in der bisher einjährigen Nutzung keine Schadensfälle auf. Auch die Hamburger Netbank verlässt sich auf ihre Software und trägt das Risiko des Online-Transfers.

Zur Zeit haben über 1 000 Banken eine Filiale im Internet, wie das Institut für Bankinformatik und Bankstrategie an der Uni Regensburg ermittelte. Zum Standard der Online-Filialen gehören die Abfrage des Kontostands, das Abholen von Kontoauszügen und das Senden von Überweisungen. Je nach Institut sind weitere Funktionen wie Bestellung von Formularen, Daueraufträge oder Lastschriften und die Bestellung von Reiseschecks möglich. Darüber hinaus haben die Banken in den vergangenen Monaten ihr Angebot für Privatanleger stark ausgebaut. Aktien können online gehandelt und Wertpapierdepots am PC verwaltet werden.

Welche Vorteile bietet Internetbanking neben der weltweiten Verfügbarkeit? Die Banken versuchen zwar mit geringen Gebühren und Gratissoftware, den Privatkunden das Internetbanking schmackhaft zu machen. Echte Kostenvorteile für Online-Kunden bieten aber nur wenige. Vielmehr sparen die Geldhäuser Personal, da die Daten nicht mehr von den Angestellten in der Filiale eingetippt werden müssen, sondern auf elektronischem Weg direkt im Rechner der Bank landen. Und die Telefongebühren trägt der Kunde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×