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09.01.2001

19:16 Uhr

Internet-Zugangsanbieter müssen sich neu orientieren

Europas Markt für Internet-Provider bald verteilt

VonTHOMAS NONNAST

Die Konsolidierung auf dem hart umkämpften Markt für Internet-Zugänge geht in die Endphase. Mit dem Einstieg des italienischen Anbieters Tiscali bei Liberty Surf wächst die Konkurrenz für Wanadoo, T-Online und America Online (AOL). Die Amerikaner wollen nicht durch Übernahmen wachsen.

FRANKFURT/M. Nach dem Ende der Konsolidierungsphase werden nur noch wenige Internet-Zugangsanbieter den europäischen Markt beherrschen. Der italienische Provider Tiscali wird voraussichtlich dazugehören. Denn nach der Übernahme des französischen Anbieters Liberty Surf trennen Tiscali 800 000 Nutzer weniger vom Marktführer T-Online , dem noch immer größtem Online-Dienst Europas.

Erklärtermaßen will der ehrgeizige Tiscali-Chef Renato Soru nicht eher ruhen, bevor die Seiteneinsteiger aus dem italienischen Süden "zu Europas größter Internet-Company" aufgestiegen ist. Gerüchten zufolge soll Soru deshalb bereits weitere Übernahmegespräche mit britischen Internetprovider LineOne führen.

Sollte einen Übernahme gelingen, könnte es für den Marktführer T-Online ungemütlich werden. Denn Großbritannien gilt in Europa als einer der europäischen Schlüsselmärkte. Gemessen an der reinen Zahl der Internetzugänge liegt Großbritannien vor Deutschland. Die Investmentbank Schroder Salamon Smith Barney sieht jedoch beide gleichauf. Zusammen, so das Ergebnis einer Studie kommen Deutschland und die britischen Inseln auf einen Marktanteil von knapp 50 % des europäischen Internetmarktes. An dritter Stelle folgt Frankreich mit einem Anteil von rund 10 %. Sowohl der französische Dienst Wanadoo als auch Tiscali und AOL sind in Großbritannien und europaweit gut positioniert. Im Gegensatz dazu läuft die deutsche T-Online Gefahr, die entscheidende Phase der Konsolidierung zu verpassen. Denn in den entscheidenden Märkten werden die Übernahmekandidaten langsam knapp.

In Deutschland steht zwar noch die Mobilcom-Tochter Freenet zum Verkauf, für die sich aber bereits die Internet-Tochter der France Télécom, Wanadoo interessieren dürfte. Für den Marktführer T-Online dürfte ein Zukauf im von ihr dominierten Heimatmarkt nicht interessant sein.

In Frankreich ist mit der Übernahme von Liberty Surf die bisherige Nummer zwei jetzt im Besitz von Tiscali. Auf Platz drei liegt AOL/Compuserve. In Großbritannien gehört der Marktführer Freeserve seit kurzem ebenfalls zu Tiscali. Auf den Plätzen zwei und drei folgen AOL/Compuserve und BT-Internet.

Doch im Gegensatz zur Konkurrenz gilt bei AOL die Devise nicht durch Übernahmen wachsen zu wollen. Statt dessen setzen die Amerikaner auch in Europa auf ein kräftiges Wachstum der eigenen Marken AOL und Compuserve.

Doch mehren sich die Zweifel, ob die Zukunft der Provider allein im Angebot des Internetzugangs liegen kann. Daher sollen die Nutzer in Zukunft möglichst lange auf den Seiten der Online-Dienste gehalten werden. "Die reine Zahl der Nutzer wird immer unwichtiger", sagt AOL-Sprecher Carsten Meincke. Entscheidend ist die sogenannte Verweildauer und vor allen Dingen die E-Commerce-Umsätze, die sich mit den Abonennten machen lassen. Daher will auch der neue T-Online Chef Thomas Holtrop verstärkt auf Inhalte setzen. Telekom-Chef Ron Sommer hat bereits zuvor angekündigt der Internetprovider T-Online solle zu einer Art Verlagsdach für die Online-Inhalte der Telekom ausgebaut werden. Doch die Erfahrung zeigt, dass sich die technik-lastigen Provider mit dem Aufbau entsprechender Angebote schwer tun.

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