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09.02.2001

00:05 Uhr

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Internetheiliger gesucht

VonMartin Bünnagel Redakteur bei Handelsblatt.com

Was haben Schutzpatrone und Heilige mit dem Internet zu tun? Über Schriften, Virenschutz, Raubkopien und...Überstunden...

Die weltweite Internet-Gemeinde soll nun doch einen Schutzpatron erhalten. Der Vatikan hat nach jüngsten Gerüchten aus Vatikan-Kreisen den heiligen Isidor von Sevillia (560-636) als Internetheiligen vorgeschlagen.Der mögliche zukünftige Schutzpatron von Programmierern und Anwendern wird für die Verdienste um die Überlieferung und Pflege "heidnischer" Literatur der Antike gewürdigt. In der Schriften-Sammlung "Etymologiae" bemühte sich Isidor das gesamte weltliche und religiöse Wissen seiner Zeit zu vereinen. Das Werk umfasst 20 Bände und enthält Informationen, die Isidor den Werken anderer Schreiber und römischer Persönlichkeiten entnommen hatte. Zudem konnten die Inhalte des Buches durch eine baumartige Struktur erschlossen werden. Doch noch hat sich der Papst nicht entschieden. Denn neben dem Anwärter aus Sevillia diskutiert ein Teil der katholischen "Internet-Gemeinde" seit geraumer Zeit über eine Reihe anderer WWW-Schutzpatronen.

So kommt ein Gegenvorschlag aus Spanien. Die Südeuropäer favorisieren Thekla von Ikonium (1.Jh.), die Wegweiserin des Apostel Paulus und erste Märtyrerin des Christentums war. Nach Aussage der User, habe sie geholfen so manches Computerproblem zu lösen. Softwareunternehmen wie Microsoft wird es zudem freuen, dass sich die "Thekla-Gemeinde" reuigen Sündern annimmt. Auf der Santa Tekla-Hompage der Spanier darf Buße getan werden: Auf Knopfdruck erteilt Santa Tecla Absolution für die Benutzung von Raubkopien, das Nicht-Bezahlen von Shareware und dem Versenden von E-Mail-Bomben.

Ein weiterer Vorschlag aus Spanien, den das Vatikan-Presseamt erhalten haben soll, betrifft San Pedro Regalado (15. Jahrhundert). Er soll zu Lebzeiten an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig gesehen worden sein.

Aus Österreich schallt der Ruf nach dem heiligen Karl Borromäus . Fernsehpater August Paterno ist der Meinung, dass er mindestens genauso qualifiziert sei wie der heilige Isidor. Als Erzbischof von Mailand sei Karl Borromäus vor allem im Bereich "Knowledge Management" tätig gewesen, nämlich im Aufbau von Bibliotheken und der unermüdlichen Verbreitung von Literatur, argumentiert der Medien-Kaplan. Zudem prädestinierten ihn seine Verdienste um die Bekämpfung der Pest nicht nur zum Schutzheiligen gegen Viren, mit dem harten Kern der Internet-Community verbinde ihn zusätzlich, dass er sich "buchstäblich zu Tode gearbeitet habe."

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