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27.06.2000

15:54 Uhr

Interview

Allianz-Chef für europäische Banken-Fusionen

Henning Schulte-Noelle hat sich für Zusammenschlüsse über die Grenzen ausgesprochen. Bei der Fusion von Dresdner und Commerzbank ist der Versicherungskonzern nach seinen Worten offen für alle Alternativen.

Reuters PARIS. Der Chef des Allianz-Konzerns, Henning Schulte-Noelle, hat sich für Länder übergreifende Bankenfusionen in Europa ausgesprochen. "Ich habe mich immer gewundert, dass grenzüberschreitende Fusionen nie von einer deutschen Bank ausgingen", sagte Schulte-Noelle der Pariser Tageszeitung "Le Monde". In einem sich entwickelnden Europa müsse so etwas normal werden. Bei der möglichen Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank ist der Versicherungskonzern aus München nach den Worten des Vorstandschefs offen für alle Alternativen. Die Allianz unterstütze "innovative Lösungen, die Wert schaffen".

"Grundsätzlich bevorzuge ich einen europäischen Ansatz", sagte Schulte-Noelle der Zeitung. Der Bankensektor sei in allen Ländern national ausgerichtet, da er für strategisch bedeutsam für die Wirtschaft gehalten werde und Politiker bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen stets sehr vorsichtig gewesen seien. Die HypoVereinsbank, an der die Allianz 17,4 % hält, verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, eine europäische "Bank der Regionen" zu werden.

Die laufenden Gespräche zwischen Dresdner und Commerzbank bezeichnete Schulte-Noelle als "völlig normal". Die Allianz ist mit 21,7 % größter Anteilseigner der Dresdner Bank. Nach einem Bericht der "Börsen-Zeitung" wollen die beiden Banken bis Ende Juli über eine Fusion entscheiden.

Schulte-Noelle bekräftigte, dass die Allianz-Beteiligung von fünf Prozent an der Deutschen Bank im Gegensatz zu dem Aktienbesitz an der Dresdner und der HypoVereinsbank keinen strategischen Charakter besitze. Mittelfristig wolle man sich von dem Anteil trennen. Über eine im vergangenen Jahr begebene Wandelanleihe reduziert die Allianz ihren Deutsche-Bank-Anteil bis 2004 auf drei von zuletzt rund fünf Prozent. Die Deutsche Bank hatte ihre Beteiligung an der Allianz im Gegenzug vor knapp drei Wochen auf 4,1 % von sieben Prozent abgebaut.

Die Unabhängigkeit ihres französischen Vertriebspartners Credit Lyonnais will die Allianz den Angaben zufolge erhalten. Das sei im Interesse des Versicherers, sagte Schulte-Noelle. Die Allianz wolle ihre Zusammenarbeit mit dem CL ausbauen. Der Versicherer hält über seine 51-Prozent-Tochter AGF sechs Prozent an der jüngst privatisierten Bank.

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