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04.02.2004

10:29 Uhr

Interview

„Der Manager sitzt auf dem Schleudersitz“

VonDas Gespräch führte Christoph Hus, Handelsblatt

GmbH-Geschäftsführer müssen früh sammeln, was einmal ein Beweis sein kann, rät Anwalt Lelley Den Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen droht Gefahr. Immer öfter verlangen ihre Arbeitgeber von ihnen Schadensersatz für die Folgen von Managementfehlern. Rechtsanwalt Jan Tibor Lelley erläutert die Hintergründe.

Herr Lelley, die Haftungsklagen gegen Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen nehmen zu. Warum?

Lelley: Kleine und mittelständische Unternehmen eignen sich zunehmend die Haltung großer Konzerne an. Wenn ihre Geschäftsführer schwere Fehler begehen, dann sollen sie auch dafür haften. Die Eigentümer der Unternehmen sind nicht mehr wie früher bereit, Fehler ihrer Manager unter den Teppich zu kehren und sie nur rauszuwerfen. Sie wollen ihr verlorenes Geld zurück, auch wenn es dabei zum Gerichtsstreit kommt.

. . . weil sich jetzt ohnehin viele Unternehmen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation befinden?

Ja. So lange ein Unternehmen gut dasteht, kann es manche Verluste verschmerzen, deren Ursache Managementfehler sind. Doch in vielen Unternehmen ist die Situation im Moment sehr ernst. Wenn dann noch Fehler der Geschäftsführer hinzu kommen, sagen sich die Eigentümer: Wir können uns den Luxus vergangener Tage nicht mehr leisten. Ein Unternehmen aus der Textilindustrie zum Beispiel wollte sein innerdeutsches Vertriebsnetz ausbauen. Doch der Geschäftsführer unterschrieb fehlerhafte Verträge mit den Vertriebspartnern, woraufhin mehrere Lieferanten Schadensersatz verlangten. Der Manager einigte sich mit seinem Arbeitgeber auf einen Vergleich und musste ihm 300 000 Euro zahlen.

Ist die Gefahr für einen Geschäftsführer besonders groß, wenn das Unternehmen im Besitz einer Familie ist?

Ja, denn in Familiengesellschaften ist das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Eigentümern und Geschäftsführern besonders wichtig. Gibt es Probleme, verkehrt sich ein sehr enges Verhältnis schnell ins komplette Gegenteil - und der Manager sitzt auf dem Schleudersitz. Oft läuft das so ab: Der Firmengründer hat im hohen Alter einen Geschäftsführer eingestellt. Plötzlich tauchen Probleme auf und der Gründer sieht sich von seinem Manager getäuscht und schlecht informiert. Er wähnt sein Lebenswerk in Gefahr. Jetzt will er den Geschäftsführer ganz schnell los werden und ihn außerdem für den Schaden zahlen lassen.

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