Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.04.2003

18:22 Uhr

Interview mit Anne Mulcahy, CEO und Chairman of the Board von Xerox

"Quartal für Quartal Zusagen eingehalten"

VonDie Fragen stellte Thomas Nonnast

Büromaschinenhersteller Xerox hat schwere Zeiten hinter sich. Doch nun sind die Restrukturierungen weitgehend abgeschlossen - und man sieht wieder etwas positiver in die Zukunft.

Handelsblatt:Sie mussten Xerox in den beiden vergangenen Jahren radikal umbauen. Wie würden Sie die Lage von Xerox vor zwei Jahren beschreiben?

Anne Mulcahy: Die Lage war nicht gut. Es war wohl eine der schwierigsten Phasen in der Geschichte des Unternehmens. Die Schulden waren hoch und Barreserven niedrig. Wir mussten daher sehr schnell handeln, um die finanzielle Lage des Unternehmens zu stabilisieren.

Wie weit sind Sie mit der Sanierung vorangekommen?

Zurzeit haben sehr viele Unternehmen mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Und die große Frage ist, wie es trotzdem gelingen kann, ein Unternehmen auf Wachstumskurs und langfristig profitabel zu halten. Jahr 2002 ist es Xerox trotz erheblichen Aufwands für Restrukturierung gelungen, in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. Alle Bereiche auf die wir uns konzentriert haben kommen gut voran. Das ist angesichts des wirtschaftlichen Umfelds keine Selbstverständlichkeit.

Auf welche Bereiche haben sie sich bei der Restrukturierung konzentriert?

Wir haben uns hauptsächlich auf drei Bereiche konzentriert. Erstens ging es um die Stabilisierung der Finanzlage: Wir haben die Bilanzstruktur verbessert und Probleme gelöst, die die Liquidität belastet haben. Dadurch hat sich der Cashflow verbessert. Gleichzeitig haben wir auch die Finanzierungsstruktur verändert.

Wie sind Sie die Kostenreduzierung angegangen?

Wir haben uns angesehen, was andere besser tun können als wir selbst. Das hat dazu geführt, dass wir rund 2 Milliarden Dollar Umsatz aus dem Geschäft genommen haben. Darüber hinaus haben wir die Produktion unserer Bürogeräte an den Auftragshersteller Flextronics ausgelagert. Auch die Finanzierung von Leasing-Geschäften muss nicht zwingend von Xerox kommen. In Nordamerika hat das Finanzierungsgeschäft GE Capital übernommen. Den Betrieb der IT haben wir an EDS outgesourct. Gleichzeitig haben wir aber in alle Teile des Unternehmens kräftig investiert, wo wir für Kunden ansprechbar sein müssen.

Planen Sie auch das Service-Geschäft auszulagern?

Outsourcing war eine strategische Entscheidung, die auch in der Zukunft noch weitergehen wird. Und in manchen Bereichen der Services arbeiten wir heute bereits mit Vertragspartnern. Doch der technische Support und Managed-Services gehören zum Kernbereich von Xerox und es gibt keine Diskussion darüber, diese Bereiche auszulagern.

Was war der dritte Bereich der Restrukturierung?

Der dritte Bereich auf den wir uns konzentriert haben sind Investitionen für zukünftiges Wachstum. Wir haben in die Entwicklung von für Xerox strategischen Technologien wie Farbdruck, Multifunktionsgeräte und High-End-Digitaldruck investiert. Allein im vergangenen Jahr haben wir 17 neue Produkte auf den Markt gebracht und werden auch in 2003 weiter Tempo machen .

Worin liegt die künftige Kernkompetenz von Xerox?

Xerox ist ein Produzent von Technologie. Zusammen mit dem Joint-Venture Fuji Xerox investieren wir jährlich 1,5 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Die Kernkompetenz des Unternehmens ist es, diese Ergebnisse in Produkte umzusetzen. Zum Kern gehören auch weite Teile des Service und der Vertrieb, die noch durch Partner und Lizenznehmer verstärkt werden.

Warum hat sich Xerox aus dem Markt für Privatanwender zurückgezogen?

Das Privatkundengeschäft war eine Belastung für die Liquidität und die Profitabilität des Unternehmens. Der Markt für Drucker ist ähnlich schwierig wie das PC-Geschäft oder Unterhaltungselektronik. Unser Kerngeschäft ist eindeutig das Firmenkundengeschäft. Es machte strategisch Sinn sich mit ganzer Kraft auf diese Kunden zu konzentrieren.

In welchen Märkten wollen Sie Xerox künftig positionieren?

Wir haben unsere Position im High-End-Markt für Druck verstärkt. Das gilt für den Farbdruck und für Schwarzweiß-Technologien. Auch im Bürogerätemarkt werden wir weiter aktiv sein. Das dritte Geschäftsfeld von Xerox sind Dienstleistungen für Managed-Services und Beratung rund um Dokumenten-Management.

Die Rating-Agenturen haben Xerox auf Junkbond-Niveau gesetzt Wie groß ist der Druck durch die Rating-Agenturen?

Es geht nicht allein um ein Rating, sondern um die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens. Es hat uns sehr geholfen, dass wir während der Restrukturierung Quartal für Quartal unsere getroffenen Zusagen eingehalten haben. Deshalb haben wir meiner Meinung nach unsere Glaubwürdigkeit zurückgewonnen. Nicht nur gegenüber den Rating-Agenturen, sondern auch gegenüber unseren Aktionären, den Banken und den Kunden.

Einer der strategischen Geschäftsfelder von Xerox ist Dokumenten-Management. Immer dieser Prozesse laufen elektronisch und ohne Papier ab. Machen Sie sich deshalb Sorgen?

Die Vision vom papierlosen Büro macht mir keine großen Sorgen. Von den Milliarden E-Mails täglich, werden derzeit rund die Hälfte ausgedruckt. Die Menschen scheinen Papier einfach zu mögen. Gleichwohl investieren wir natürlich in die Entwicklung von Dokumenten-Management-Lösungen, die mit dem Bedrucken eines Stück Papiers nichts mehr zu tun haben. Einer unserer Kunden ist das Europäische Patentamt in München. Wir haben zusammen mit dem Patentamt eine Lösung entwickelt, die alle Information elektronisch verfügbar macht. Die Bearbeitungszeit bei Patentanträgen wird dadurch erheblich verkürzt. Möglicherweise entsteht an irgendeiner Stelle dieses Prozesses wieder Papier, aber der weitaus größte Teil findet elektronisch statt.

Wie lange wird der Übergang zu elektronischen Dokumenten dauern?

Das ist ein lang dauernder Prozess. Einer der größten Herausforderungen dieses Übergangs liegt bei den Kunden. Denn sie müssen in ihrem Geschäftsalltag den Übergang von Papierdokumenten zu elektronischen Dokumenten organisieren. Dazu benötigt man entsprechende Technologie um Dokumente zu scannen. Dazu kommen Content-Management-Systeme, die immer wichtiger werden, um diese elektronischen Dokumente zu verwalten.

Doch in diesem Markt gibt es viele Wettbewerbe, den neuerdings auch Softwarehersteller wie Adobe entdecken.

In der Technologiebranche sind sehr oft dieselben Unternehmen Konkurrenten und Partner zugleich. Adobe ist ein wichtiger Partner von Xerox, im High-End-Druck, wofür Adobe die Technologie zur Darstellung von Dokumenten und Formularen liefert. Auch mit Softwarefirmen wie SAP oder Oracle arbeiten wir beim Dokumenten-Management zusammen. Sicherlich gehören auch Branchengrößen wie IBM und EDS dazu, die sich im Umfeld ihres IT-Service-Geschäfts damit beschäftigen. Aber sie sind nicht darauf spezialisiert. Es gibt daneben noch eine ganze Reihe kleinerer Firmen, die sich mit dem Thema Dokumenten-Management beschäftigen. Doch im Unterschied zu Xerox liefern sie nur einzelne Teile einer langen Kette des Dokumenten-Managements. Es gibt außer Xerox niemand, der dieses Geschäft systematisch angeht. Deshalb glauben wir, in diesem Markt gute Chancen auf die Marktführerschaft zu haben.

Dafür gibt es im Geschäftsfeld Druckmaschinen mächtige Konkurrenten.

Die Druckbranche steht vor großen Umbrüchen. Bisher wurde der größte Teil der Druckerzeugnisse auf Offset-Technologie hergestellt. (Anm. der Red. Druckverfahren für die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften. Dabei wird zuerst eine Druckplatte hergestellt, welche die Farbe auf Druckwalzen überträgt.) Doch die Möglichkeiten der Digitaldrucktechnologie werden immer stärker und beginnen eine echte Herausforderung für den Offset-Druck zu werden. Dazu kommt, dass das Drucken "statischer" Printerzeugnisse kein Wachstumsmarkt mehr ist. Künftig stehen eine stärkere Personalisierung der Druckerzeugnisse im Mittelpunkt. Die echten Wachstumsfelder sind Technologien für personalisierte Marketingaktionen und "Print on demand".

Glauben Sie, dass digitale Druckverfahren die Offset-Technologie auch bei Zeitungen und Zeitschriften ersetzen wird?

Langfristig werden digitale Druckverfahren flexibler und billiger sein als Offset-Druck. Natürlich gibt es nach wie vor einen Kernmarkt an Druckerzeugnissen, die mit Offset-Druckverfahren kostengünstiger hergestellt werden können. Aber mit der Zeit wird die technische Leistungsfähigkeit der digitalen Druckverfahren immer größere Bereiche des heutigen Offset-Markts erreichen. Denn Offset ist nur bei großen Auflagen wirtschaftlich. Wir haben mit dem Modell IGen 3 eine Farbdruckmaschine entwickelt, die 100 Farbseiten pro Minute in Offset-Qualität druckt. Die Kosten liegen bei rund 5 Cent pro Seite. Mit dieser Druckmaschine können Druckereien zum Beispiel Zeitschriftencover und Bucheinbände in außergewöhnlich guter Qualität drucken. Das sind Produkte, die bisher im Offset-Verfahren gedruckt werden.

Der Druckereibranche und den Verlagen in Deutschland geht es schlecht. Ist das eine gute Zeit auf den Absatz neuer Druckmaschinen zu hoffen?

In Kürze werden wir die erste IGen3 bei einem Kunden in Deutschland aufstellen. Druckereien werden in Zukunft ihren Kunden beide Technologien parallel oder sogar sich ergänzend anbieten müssen. Die Kunden wünschen sich mehr Flexibilität und die Drucker müssen auf die veränderten Kundenwünsche reagieren oder ein Teil der Aufträge wird verloren gehen. Diese Erkenntnis war wahrscheinlich auch für Heidelberger Druck der Grund, Ende der neunziger Jahre in die Entwicklung von Digitaldruckmaschinen einzusteigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×