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29.04.2003

11:26 Uhr

Interview mit Daimler-Chrysler-Vorstandschef

Schrempp: Fusion ist auf dem richtigen Weg

Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp sieht den Automobilkonzern fünf Jahre nach der Fusion auf dem richtigen Weg. Im folgenden Wortlaut-Interview zieht der Automanager eine Zwischenbilanz des Fusionsprozesses:

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp. Foto: dpa

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp. Foto: dpa

HB/dpa DÜSSELDORF. Hat die Fusion die Erwartungen erfüllt, gab es unerwartete Probleme?

"Die Fusion ist schon längst erfolgreich umgesetzt. Daimler-Chrysler ist ein Unternehmen. Das heißt, dass wir heute die Ressourcen im Konzern sehr effektiv über alle Geschäftsfelder hinweg nutzen. Und wir setzen unsere Strategie konsequent und erfolgreich um. Das Ergebnis des vergangenen Jahres zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Natürlich lief in den vergangenen fünf Jahren nicht immer alles glatt. Vielleicht hätte man einiges schneller machen können. Es gibt immer operative Herausforderungen und diese haben wir alle bewältigt, und zwar operativ, nicht durch strategische Richtungswechsel. Die Stellhebel unseres Geschäfts, die wir direkt beeinflussen können, haben wir im Griff."

Haben sich die strategischen Überlegungen als richtig erwiesen?

"Uneingeschränkt ja! Wir haben uns für den Merger entschieden, weil sich in der Automobilindustrie ein immer schneller voranschreitender Konzentrationsprozess abspielt. Mit dem Zusammenschluss haben wir die Chance genutzt, den weltweiten Konsolidierungsprozess aktiv mitzugestalten. Im Jahr 1980 gab es noch 28 unabhängige Hersteller, mittlerweile sind es nur noch elf. Wir wären Gefahr gelaufen, selbst zum Spielball der Entwicklung zu werden. Daimler-Chrysler hat heute eine wesentlich bessere Wettbewerbsposition."

Der Aktienkurs des neuen Unternehmens hat sich alles andere als positiv entwickelt - woher nehmen Sie die Gewissheit, dass die Märkte irgendwann einmal das Potenzial erkennen werden?

"Keiner kann mit der Entwicklung des Aktienkurses zufrieden sein, ich am wenigsten. Aber man muss auch sehen, dass aktuell an den Aktienmärkten nicht die Leistung der Unternehmen widergespiegelt wird. In der Automobilindustrie gibt es lange Produktlebenszyklen. Und die Umsetzung einer Unternehmensstrategie braucht Zeit. Damit sind wir auf einem guten Weg. Wir haben uns einiges vorgenommen: Allein in den nächsten drei Jahren wollen wir über 40 neue Pkw und Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen."

Sie haben immer wieder betont, dass Daimler-Chrysler die Nummer 1 der Branche werden will. Welches sind die Kriterien dafür?

"Unser Ziel ist es, der Automobilhersteller Nummer 1 zu werden. Daran halten wir fest. Bei uns steht nachhaltige Profitabilität im Vordergrund, nicht Umsatz um der Größe willen. Wir sind heute bereits das Automobilunternehmen, das regional am besten und ausgeglichensten aufgestellt ist. Wir haben ein Produktportfolio, das jeden Kunden nahezu überall auf der Welt ein seinen Bedürfnissen und Wünschen entsprechendes Fahrzeug bietet. Und wir haben starke, unverwechselbare Marken, die heute einen hohen Premiumanteil haben. Mit zahlreichen Innovationen haben wir zudem bewiesen, dass wir der Technologieführer in der Automobilbranche sind."

Was ist für Sie in dem Fusionsprozess ein besonderes Erlebnis gewesen, was hat Sie überrascht - positiv oder negativ?

"Mich beeindruckt die Offenheit der Menschen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen aufeinander zu und sind bereit, voneinander zu lernen, sich auf die andere Seite einzulassen, Know-how zu teilen. Nur so können wir die jeweils besten Methoden implementieren. Wir gehen Probleme an und setzen uns konstruktiv auseinander. Da sind auch Freundschaften entstanden."

Welche Rolle spielt heute Mitsubishi bei der Vollendung der strategischen Überlegungen?

"Natürlich hat Asien von Anfang an in unseren Überlegungen eine wichtige Rolle gespielt. Schließlich handelt es sich dabei um einen der wichtigsten Wachstumsmärkte der Zukunft. Mit dem Merger war Daimler-Chrysler in zwei wichtigen Regionen präsent - Westeuropa und Nordamerika. Es war dann nur konsequent, den Fokus auf Asien zu richten, um ein drittes Standbein zu schaffen. Die Allianz mit Mitsubishi und die Zusammenarbeit mit Hyundai bieten eine ideale Ergänzung unserer regionalen Schwerpunkte."

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