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28.01.2005

14:05 Uhr

Interview mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga

Amre Moussa: "Israels Rückzug aus Gaza ist nur der erste Schritt"

VonDas Gespräch führte Christoph Rabe, Handelsblatt

Amre Moussa, Generalsekretär der Arabischen Liga, sagt im Handelsblatt-Interview, dass für alle Probleme im Nahost-Friedensprozess bereits Lösungen bereit stünden. Jetzt müssten sie nur noch umgesetzt werden. Ziel: der Fall der Mauer zwischen Israel und den Palästinenser-Gebieten.

Handelsblatt: Israelis und Palästinenser reden wieder miteinander. Was muss nun geschehen, um einen tragfähigen Frieden im Nahen Osten zu erreichen?


Moussa: Es muss sichergestellt sein, dass beide Seiten über die Kernprobleme reden. Dazu gehören vor allem die israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten. Wir brauchen jetzt nicht nur Verhandlungen, sondern konkrete Aktionen. Die Menschen in den palästinensischen Autonomiegebieten müssen das Gefühl erhalten, dass jetzt etwas für sie getan wird. Und das bedeutet nicht nur Bewegungsfreiheit und Arbeit. Jetzt muss eine umfassende Lösung in Angriff genommmen werden. Der Rückzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen kann nur der erste Schritt sein. Weitere müssen folgen.

Es gibt eine Fülle unbewältigter Probleme. Sollten sie jetzt Schritt für Schritt oder in einem Gesamtpaket gelöst werden?

Es gibt bereits Lösungsvorschläge für alle offenen Probleme. Sie liegen auf dem Tisch. Jetzt müssen sie abgearbeitet werden.

Die Aufgabe der Siedlungen ist ein entscheidender Schritt. Es wäre ein böses Omen, wenn die Israelis sich nicht aus ihren Siedlungen zurückziehen.

Das Schicksal dieser Mauer sollte nicht anders sein, als das der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs.

Sehen Sie bei den Israelis eine Bereitschaft für den Abbau?

Noch nicht. Dafür müsste ein Sinneswandel bei den Israelis eintreten und ein klares Signal aus Washington kommen.

Wie können die Lebensverhältnisse der Palästinenser jetzt verbessert werden?

Zunächst durch die Beendigung der Besatzung und den Rückzug Israels hinter die Linien des 28. September. Das würde bei den Palästinensern neue Kräfte für den wirtschaftlichen Wiederaufbau ihres Landes freisetzen.

Wie steht es um die israelischen Forderungen nach mehr Sicherheit. Müssen die palästinensischen Behörden jetzt nicht energischer die Waffen in der Bevölkerung einsammeln?

Die Palästinenser bewegen sich in die richtige Richtung. Sie haben demokratische Wahlen durchgeführt und Verantwortung für eine Entspannung gezeigt. Ich bin davon überzeugt, dass sie die Sicherheitsfrage ebenso verantwortungsbewusst angehen werden.

Wie lange dauert es, bis ein unabhängiger palästinesischer Staat gegründet werden kann?

Ich hoffe, dass die Voraussetzungen rasch geschaffen werden. Je früher, desto besser. Wir kennen die Probleme, wir kennen die Lösungsvorschläge, wir haben mit den Europäern und den Amerikaner aktive Moderatoren. Wir müssen diese Chancen nur ergreifen und rasch handeln.

Welche Rolle spielt die Arabische Liga in diesem Prozess?

Wir haben vor zwei Jahren die arabische Initiative ergriffen. Sie hat den politischen Rahmen für den weiteren Friedensprozess geschaffen.

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