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17.01.2003

14:31 Uhr

Interview mit José-Maria Figueres

Wer oder was sind Global Leaders?

José-Maria Figueres, ehemaliger Präsident von Costa Rica, ist seit 2000 Managing Director des World Economic Forum mit Sitz in Genf. Wir wollten von ihm wissen, wer diese Global Leaders for Tomorrow eigentlich sind.

Jedes Jahr "krönt" das World Economic Forum einhundert so genannte Global Leaders for Tomorrow. Wer sind diese Menschen?

Die GLT Community mit fast 500 Personen stellt die nachwachsende Generation von globalen Führungspersönlichkeiten dar, aus der Geschäftswelt, der Politik, gemeinnützigen Organisationen, der Kultur, Wissenschaft und den Medien, die bereits in der Vergangenheit Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft gezeigt haben.

Und warum das Ganze?

Das Global Leaders for Tomorrow-Programm wurde 1993 gestartet, um der nachwachsenden jungen Generation von Entscheidungsträgern weltweit einen informellen, aber effizienten Rahmen für einen andauernden Meinungsaustausch über zentrale Themen zu schaffen. Wir sehen sie als Alchemisten, die ein Netzwerk bilden und die vielleicht die Zukunft prägen werden. Und wir hoffen, dass sie die Welt verbessern werden.

Hört sich nett an, aber was machen Sie konkret mit den GLTs, bzw. was machen die GLTs?

Einmal ausgewählt, werden die GLTs in drei aufeinander folgenden Jahren zu einem besonderen GLT-Programm beim Jahrestreffen des World Economic Forum in Davos eingeladen, darüber hinaus fünf Jahre lang zu einem jährlichen GLT Summit, sowie anderen Veranstaltungen des WEF in verschiendenen Ländern.

Die GLTs starten auch eigene Initiativen, die vom World Economic Forum gebilligt und dann in unsere Veranstaltungen integriert werden. In diesem Jahr gab es zum Beispiel sechs solcher task force initiatives, die sich regelmäßig trafen und Projekte entwickelten:

Europe 2050 (Readiness for the Future Index),


Environment (Environmental Sustainability Index and Environmental Performance Index),


Business Initiative for Technology and Society (BITS),


Africa Initiative, the GLT Free Trade Group,


Shiksha India (Bridging the Digital Divide in Education),


Triple Bottom Line Task Force (on corporate social responsibility).

Finden Sie den "Titel" Global Leader for Tomorrow nicht ein bisschen bombastisch?

Überhaupt nicht. Die GLTs gehen wirklich globale Fragen mit maßgeschneiderten Lösungen an. Und ihr Erfahrungsaustausch ermöglichst es ihnen, erfolgreiche, lösungsorientierte Ideen von einem Platz der Welt anderswo zu übernehmen.

Der Auswahlprozess ist, von außen betrachtet, ziemlich undurchsichtig. Wie wählen Sie die GLTs aus? Wer sitzt in der Jury? Und wer schlägt sie überhaupt vor?

Das World Economic Forum erbittet jedes Jahr Vorschläge von einem Komitee zuvor ausgesuchter Nominatoren. Zu diesen Nominatoren gehören gegenwärtige und ehemalige GLTs sowie alle Mitglieder des World Economic Forums, Unternehmen und andere Organisationen. Wir suchen auch Vorschläge von weiteren externen Quellen, zum Beispiel von international führenden Zeitungen.

Die vorgeschlagenen Kandidaten werden nach folgenden Kriterien bewertet und eine Rangliste erstellt: Leadership, eigene berufliche Karriere, potentieller Beitrag zur GLT Community und dem Interesse an sozialen und globalen Themen.

Die Liste der 100 Top-Kandidaten wird dann dem Managing Board des World Economic Forum zur Billigung vergelegt und vom WEF-Präsidenten Professor Klaus Schwab informiert.

Jemanden zum Global Leader for Tomorrow zu küren, ist in gewisser Weise eine Wette auf die Zukunft. Wenn Sie Liste der GLTs der vergangenen Jahre anschauen, wie erfolgreich waren Sie in der Auswahl? Wieviele dieser brillianten jungen Leute sind wirklich "global leaders" geworden?

Zu den GLTs aus der Vergangenheit gehören zum Beispiel Michael Dell, Tony Blair, Patricia Stonesifer (Microsoft), Pierre Omidyar und Jeffrey Sachs. Erstaunlich dabei ist auch, dass sie dem Forum über Jahre hinweg aktiv verbunden geblieben sind. Die GLT Community ist ein einzigartiger Weg, Verbindungen zwischen so verschiedenartigen Führungspersönlichkeiten aufzubauen, aber auch Verbindungen zwischen den GLTs und dem World Economic Forum und seinen Partnern. Das lässt ein GLT-Treffen wirklich zu einer Versammlung von Leuten werden, deren Namen morgen jeder kennen wird.

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