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24.01.2005

12:34 Uhr

Interview mit Prof. Udo Steffens, Präsident der HfB

"Am Ende werden die Privaten die Nase vorn haben"

VonDie Fragen stellte Christoph Mohr.

In Frankfurt will die Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) konsequent ihren eigenen Weg gehen.

Professor Steffens, schlechte Nachricht für Sie: Ihr lokaler Konkurrent, die Uni Frankfurt, punktet zu Jahresbeginn mit der AACSB-Akkreditierung und signalisiert damit, dass sie in einer anderen Liga spielt als die HfB. Was ist nun von der HfB zu erwarten?

Die Goethe-Uni verzeichnet mit der AACSB-Akkreditierung einen tollen Erfolg. Doch die HfB geht weiter ihren eigenen Weg, der bisher recht erfolgreich war. Wir sind eine junge, dynamische Business School, gerade einmal 15 Jahre alt. In dieser kurzen Zeit haben wir uns als Nischenhochschule für Banking, Finance und Management eine hervorragende Reputation erworben. Formal spiegelt sich dies in der Umwandlung der HfB in eine wissenschaftliche Hochschule wider, die wir gerade im November gefeiert haben. Im Herbst werden wir ein PhD- sowie weitere Master-Programme anbieten und so unser Profil weiter schärfen. Natürlich wird sich die HfB auch international akkreditieren lassen.

Man hat ohnehin den Eindruck, dass das besondere Wohlwollen der hessischen Landesregierung und der Frankfurter Banken auf der Uni Frankfurt (und ihrem geplanten House of Finance) liegt. Fühlen Sie sich in Frankfurt wie ein Underdog?

Die hessische Landesregierung setzt bei den Hochschulen auf Wettbewerb. Allerdings gibt es einen naturwüchsigen positiven Reflex der öffentlichen-rechtlichen Verwaltung hin zu den eigenen, also den öffentlichen-rechtlichen Hochschulen. Von Gleichbehandlung privater Hochschulen im Wettbewerb um öffentliche Mittel kann keine Rede sein. Aber private Hochschulen sind noch klein und bringen die notwendige Forschungs- und Lehrkapazität nicht auf die Straße. Allein können sie den Finanzplatz derzeit nicht wirklich nach vorn bringen. Daher setzt die HfB auf partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem House of Finance, um Kräfte zu bündeln und gemeinsam den Finanzplatz zu stärken.

Können Sie in dem Wettbewerb überhaupt bestehen?

Ich bin sogar zutiefst überzeugt, dass private Hochschulen im Wettbewerb mit den öffentlich-rechtlichen am Ende die Nase vorn haben werden, das zeigt die internationale Erfahrung. Massive Investitionen in öffentlich-rechtliche Hochschulen lösen keine strukturellen Probleme. Verkrustetes oder nicht vorhandenes Management, keine oder nur geringe Leistungsanreize für Professoren und Verwaltungsmitarbeiter, eine kaum ausgeprägte Servicementalität – das sind die Knackpunkte der öffentlich-rechtlichen Hochschulen. Die Privaten haben hier längst die Nase vorn. Es bleibt spannend zu beobachten, ob und wie sich der Wandel zu einer dynamischen, am Markt orientierten Hochschullandschaft gestaltet.

Also nicht der Underdog?

Die HfB hat in vielen Fragen der Hochschulentwicklung Vorreiterfunktionen übernommen: Wir haben als eine der ersten Hochschulen Bachelor- und Master-Abschlüsse eingeführt. Als erste Hochschule in Frankfurt haben wir ein internationales Executive-MBA-Programm im Angebot. Wir schauen also mit einer gewissen Gelassenheit auf die Goethe-Uni und werden die HfB in gewohnter Weise kontinuierlich entwickeln.

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