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11.01.2001

19:00 Uhr

INTERVIEW

Tecis könnte von Bedeutung der Altersvorsorge profitieren

Die Tecis Holding AG wird von vielen Analysten als langfristig aussichtsreiches Investment angesehen, unter anderem deshalb, weil sie relativ viel Geld in die Weiterbildung ihrer Berater investiert. Der Finanzdienstleister könnte auch von der zunehmenden Bedeutung der privaten Altersvorsorge profitieren. Der Kurs der Aktie sinkt aber seit September.

Warum sollte Tecis für Anleger interessant sein?

Die Aktie sollte interessant sein, wenn man unsere Positionierung betrachtet. Wir sind eindeutig fokussiert auf die Bereiche, in denen in den nächsten Jahren die Post abgeht: Investment in Aktienfonds, die wichtige Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und Dachfonds, was eine Weiterentwicklung aus dem Bereich Investmentfonds ist. Wer mittel- und langfristig orientiert ist, wird sicher an unserer Aktie seine Freude haben.

Viele Kreditinstitute setzen auf das Pferd Vermögensverwaltung und bieten auch Fonds der Konkurrenz an. Wodurch unterscheidet sich Tecis?

Selbst wenn ich Vermögensverwaltung mit allen Fonds anbiete, bin ich nur in einem Produktsegment tätig. Die Abstimmung von Versicherung, Altersvorsorge und Vermögensmanagement, das ist unser "Unique Selling Point" (USP). Da haben wir einen Vorteil gegenüber vielen anderen Anbietern, die das Wohlhabenden für teures Geld anbieten. Uns ist es gelungen, die Angebote durch Standardisierung und IT-Unterstützung so aufzubereiten, dass sie auch dem Durchschnittshaushalt angeboten werden können.

Wie definieren Sie Ihre Kernzielgruppe "Durchschnittshaushalt"?

Es sind die wirklich standardisierten Durchschnittsfamilien, verheiratet, mit statistisch gesehen anderthalb Kindern und einem Nettoeinkommen zwischen 2 000 und 4 000 DM. Dort wird in der Regel nicht um die Anlage von 100 000 DM gesprochen, sondern darüber, wie das verfügbare Geld sinnvoll eingesetzt wird. Und die erste Erfahrung, die 99 von 100 Kunden heute machen, ist, wie viel Geld sie sparen können in Sachen Risiko- und Berufsunfähigkeitsabsicherung.

Es heißt, in diesem Retail-Geschäft sei kein Geld zu verdienen.

Hier kann man bei entsprechender Standardisierung sehr wohl Geld verdienen, weil die Bedürfnisse der Haushalte sehr ähnlich sind. Wir haben unser Geschäftsmodell so aufgebaut, dass unsere Vertriebspartner immer dann auf Spezialisten zurückgreifen können, wenn Spezialkenntnisse gefragt sind.

In der Vermögensanlage für die Kunden setzen Sie auf Ihre Dachfonds. Die haben im letzten Jahr nicht gut abgeschnitten.

Abgesehen von den aggressiven und damit sehr volatilen Fonds hätten der "Tecis Global" und der "Europe Plus Select UBS" im Grunde einen eher ruhigen Verlauf nehmen müssen. Wenn ich sie mir ansehe mit zwölf bzw. 13 Prozent Minus, dann haben wir uns in diesem Jahr sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert.

Ziehen Sie Konsequenzen beim Fondsmanagement?

Darüber müssen wir nachdenken. Wir sagen unseren Kunden, dass wir über zehn Jahre einen zehnprozentigen Zuwachs pro Jahr erreichen müssen. Wenn sich die Märkte normal entwikkeln, haben wir dann gute Arbeit geleistet. Wenn ich bei den Produkten über zwei bis zweieinhalb Jahre nicht im oberen Drittel der vergleichbaren Fonds mitspielen kann, muss ich eine Änderung vornehmen. Das ist ganz klar.

Wann geht Tecis ins Ausland?

Wir werden in den nächsten drei Jahren kleine Niederlassungen in Österreich und der Schweiz und in Randgebieten an den deutschen Grenzen eröffnen. Das sind aber nicht die großen Auslandsengagements. Unsere Expansion ins Ausland wird in Kooperation mit Produktpartnern 2004 und 2005 im Osten sein, in Polen, Tschechien und Ungarn. Diese Länder sind dann in der Situation, die der Deutschlands im Jahr 1960 entspricht.

Reichen die Mittel aus dem Börsengang für die Expansion aus?

Wir haben beim Börsengang 30 Millionen DM eingenommen. Davon haben wir die Hälfte für Akquisitionen vorgesehen, die andere Hälfte für interne Projekte. Das Geld ist noch da, weil wir bisher alles aus dem Cash-Flow bezahlt haben. Für eine mittlere oder größere Akquisition haben wir uns auf der letzen Hauptversammlung eine bedingte Kapitalerhöhung um 25 Prozent genehmigen lassen.

Stehen Übernahmen an?

Eine mittlere oder größere Akquisition sehen wir zurzeit nicht, da die Preise im Markt verdorben sind. Wir werden daher unsere Strategie jetzt auf kleinere, fast schon mittlere Unternehmen im Finanzdienstleistungsbereich fokussieren. Das wird etwas mühseliger.

Wann kommt der nächste Aktiensplit?

Das kann ich in vier Wochen beantworten, wenn wir unsere genauen Zahlen wissen. Immer dann, wenn es möglich ist, werden wir einen Aktiensplit machen. Diese Richtung, bis hin zu Gratiskaktien, ist für uns viel interessanter als eine höhere Dividende. Das liegt auch daran, dass nach unserer Kenntnis heute mehr als 50 Prozent unserer freien Aktionäre in Amerika und England sitzen.

Die Fragen stellte Lutz Beukert

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