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19.06.2000

19:32 Uhr

Investitionsprogramm

Handelsriese Spar muss Verschuldung erhöhen

Die Spar will durch eine Neuausrichtung der defizitären Eurospar die Ertragswende herbeiführen. Das millionenschwere Investitionspaket soll über Kredite finanziert werden. Grund: Eine Kapitalerhöhung, eine Finanzierung aus dem Cash-flow oder eine Privatisierung der Verbrauchermärkte erscheinen nicht möglich.

lip HAMBURG. Die Spar Handels-AG, Schenefeld bei Hamburg, will nach Informationen des Handelsblatts die millionenschweren Investitionen für die Neuausrichtung der defizitären Eurospar mit ihren 420 Verbrauchermärkten zunächst über eine Ausweitung der Kreditlinien finanzieren. Dies soll auf der nächsten Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch verabschiedet werden.

Die Investitionen für den Umbau der Eurospar-Kette nach dem im Mai vorgestellten Konzept des französischen Spar-Großaktionärs Intermarché sehen dem Vernehmen nach Investitionen von 200 bis 300 Mill. DM in den nächsten beiden Jahren vor. Damit würden die Bankschulden des Konzerns auf deutlich über 1 Mrd. DM ausgeweitet. Sie lagen 1998 bei über 860 Mill. DM.

Ein Sprecher der Spar wollte zu der Finanzierung des Investitionsprogramms für die Eurospar keine Stellungnahme abgeben. Er verwies auf die Bilanzpressekonferenz, die nach seinen Angaben voraussichtlich am 26. Juni stattfinden wird.

Ursprünglich war die Pressekonferenz für den 17. Mai angesetzt - wie üblich einen Tag nach der bilanzfeststellenden Aufsichtsratssitzung. Doch bei der vom Vorstand vorgesehenen Ausweitung der Verschuldung drängten die Hausbanken und der Hamburger Versicherungsgigant Hermes, der für Spar Kredite von mehr als 800 Mill. DM absichert, zunächst darauf, dass Klarheit über die finanzielle Lage des angeschlagenen Lebensmittel-Einzelhandelskonzerns geschaffen wird. Sie beauftragten dafür die Unternehmensberatung der KPMG.

Danach kommt eine Finanzierung des neuen Eurospar-Konzepts über die Börse oder aus dem laufenden Cash-flow für die Spar Handels-AG derzeit kaum in Frage. "Für eine Kapitalerhöhung ist der Markt derzeit völlig verstopft und aus dem negativen Cash-flow gibt es für die Spar keine Möglichkeit, ihren Kapitalbedarf für große Investitionsprogramme zu decken", begründet Nikolai Baltrouschat, Aktienanalyst bei der Frankfurter Deutschen Bank AG, das Dilemma. Er stuft die Spar-Vorzüge weiterhin als "underperformer" ein. Angesichts des Unternehmenswertes seien sogar weitere Kurskorrekturen nach unten möglich. Die Spar-Notierung sank gestern um 2,14 auf 3,65.

In Branchenkreisen wird spekuliert, dass der Spar-Großaktionär Intermarché über eine Privatisierung der Eurospar-Kette nachdenke. Es soll eine ähnliche Strategie wie in Frankreich verfolgt werden, wo die Intermarché-Läden in einer Art Franchisesystem geführt werden. Doch dieses Modell stoße bei der Gewerkschaft auf Widerstand.



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