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31.01.2002

19:12 Uhr

Investmentbank J.P. Morgan empfiehlt Investoren die Börsenplätze Mexiko und Chile

An Lateinamerikas Börsen herrscht Unruhe

VonAlexander Busch

Die Börsen Lateinamerikas bieten derzeit ein trauriges Bild. Allen Prognosen zum Trotz haben die Börsen Chiles und Brasiliens im Januar nicht zugelegt, sondern verloren. Argentiniens Börse boomt dagegen, weil die Menschen versuchen, ihr Geld zu retten. Von all dem Durcheinander profitiert die Börse in Mexiko.

SAO PAULO. Die Krise in Argentinien sorgte an den südamerikanischen Börsen im Januar für Katzenjammer. Nach dem Anziehen der Kurse zum Ende des vergangenen Jahres hatten die Analysten einen guten Start erwartet, vor allem in Brasilien und Chile.

In Santiago erholte sich der IPSA-Index in der zweiten Januarhälfte zwar leicht, doch insgesamt schneidet der Index seit Jahresbeginn mit minus 3 % negativ ab. Das liegt vor allem daran, dass große chilenische Konzerne der Branchen Energie, Bergbau und Einzelhandel in Argentinien investiert haben. Fast die Hälfte aller chilenischen Auslandsinvestitionen flossen bis heute in das La Plata-Land. Die Banken rechnen jedoch nicht damit, dass sich die Konjunktur in Chile stärker als erwartet abschwächt. Dazu seien die Volkswirtschaften Chiles und Argentiniens zu wenig verbunden. Zudem erwarten die Investmentbanken für Chile im laufenden Jahr unverändert ein Wachstum von etwa 3 %.

Brasilianische Firmen sind dagegen wenig von der Argentinienkrise betroffen. Dennoch hat sich in Brasilien die Stimmung seit der Jahreswende weiter eingetrübt. Der Bo-Vesta-Index sank um 4 % auf 12 500 Punkte, das niedrige Niveau von September. Auch die Börsenumsätze gingen stark zurück.

Die Investoren halten sich zurück, weil die Inflation in der dritten Januarwoche höher und die Wirtschaftsleistung schwächer ausgefallen sind, als erwartet. Eine Zinssenkung der Zentralbank blieb aus, obwohl diese dringend erforderlich wäre, um die Verschuldung im Inland nicht noch weiter zu erhöhen und die Konjunktur stärker anzukurbeln.

Auf die Kurse drückten zusätzlich die Konkursgerüchte um den nordamerikanischen Telekomkonzerns MCI/WorldCom die Kurse. Zu dem Unternehmen gehört der brasilianische Festnetzbetreiber Embratel, eines der Blue-Chips in Sao Paulo. Auch der Real verlor erneut an Wert, mit der Folge, dass der IWF die brasilianische Zentralbank in ihrem neusten Länderbericht, ihre dollar- oder zinsindexierte Binnenschuld stärker zu senken.

In Argentinien hält der Börsenboom wegen der unklaren politischen Lage paradoxer Weise an. Seit Anfang des Jahres legte der Merval-Index 45 % zu. Weder weiß die Regierung, wie sie die Abwertungslast verteilen soll, noch wie sie die Wirtschaft dieses Jahr steuern und auf welcher Basis sie den Etat für dieses Jahr planen kann. Da die Argentinier nach wie vor nur begrenzt auf ihre Konten zurückgreifen können, hält der Boom an der Börse an. Die Menschen versuchen, ihre Pesos gegen die Abwertung zu schützen.

Auch verschuldete Unternehmen profitieren von der Abwertung, weil sich ihre Passiva verringern können, wenn diese in Peso fakturiert sind. Händler vergleichen den derzeitigen Börsenboom mit der Hyperinflation 1989, als die Börse stark zulegte, weil die Menschen versuchten, ihr Geld in Sicherheit zu bringen.

Von den Wirren an den Börsen in Südamerika profitierte die mexikanische Börse. Gemeinsam mit Chile zählt die Investmentbank J.P.Morgan deshalb zu ihren Empfehlungen. Trotz der schwächeren Konjunkturdaten und der missratenen Steuerreform rechnen die Analysten damit, dass Mexiko wegen seiner soliden Haushaltspolitik von der Rating-Agentur Standard & Poor?s als Investmentgrade eingestuft wird. Dies werde die weitere Entwicklung der Kure positiv beeinflussen. Brasilien stuft die Investmentbank dagegen "neutral" ein. Ganz meiden sollten die Anleger j.P. Morgan zufolge die Börsenplätze in Venezuela und Argentinien.

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