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27.01.2003

08:19 Uhr

Investmentbanker kämpfen um Börsengang-Mandat

AOL sucht kapitalstarkes Konsortium

VonTobias Moerschen (Handelsblatt)

Nachdem das Management von AOL Time Warner den Börsengang der Kabelfernseh-Sparte angekündigt hat, gehen die führenden Investmenthäuser in Position. Doch Experten glauben, dass nur noch kapitalkräftige Banken eine Chance haben. Wer den lukrativen Auftrag will, muss wohl auch einen Milliardenkredit arrangieren.

NEW YORK. Richard Parsons, Chef des Medienkonerns AOL Time Warner, dürfte derzeit einer der gefragtesten Gesprächspartner für die krisengeschüttelten Investmentbanker an der Wall-Street sein. Wegen der Dauerbaisse lässt sich für die Banker im einst so lukrativen Geschäft mit Aktienplatzierungen kaum noch etwas verdienen. Doch Parsons will der Durststrecke ein Ende setzen, er plant trotz der desolaten Marktlage den milliardenschweren Börsengang der Kabelfernseh-Sparte von AOL Time Warner, weil sein Konzern dringend Geld braucht. Je nach Preis und Umfang des Aktienangebotes erwarten Experten einen Erlös von 2 bis 6 Mrd. $. Das Wall Street Journal (WSJ) spricht von 4 Mrd. $ für 15 bis 20 % der Anteile.

Damit wäre der Kabel-Deal einer der größten Börsengänge der Medienbranche überhaupt. Die beteiligten Banken können laut Wall Street Journal Einnahmen von 160 Mill. $ erwarten. AOL will den Börsengang im zweiten Quartal über die Bühne bringen. Um den Zeitplan einzuhalten, müsste der Konzern das Bankenkonsortium in den nächsten Wochen benennen.

Die Investmentbanker und Parsons brauchen das IPO (Initial Public Offering) gleichermaßen dringend. Der AOL-Chef, weil er die Schulden seines Konzerns abbauen muss. Sonst droht ihm eine Herabstufung der Bonität, verbunden mit höheren Kreditkosten. "Verzögerungen oder schlechte Bedingungen des Börsengangs könnten zu einer Herabstufung führen", sagte Analystin Heather Goodchield von Standard & Poor?s. Sie hat AOL (Rating BBB+) auf die Beobachtungsliste mit negativem Ausblick gesetzt.

Die Wall-Street-Banker indes müssen endlich wieder Geld verdienen. Denn die "Großen Drei" Merrill Lynch, Goldman Sachs und Morgan Stanley haben bereits tausende Stellen gestrichen. Und sie lassen keinen Zweifel, dass sie "die Kostenstruktur weiter den aktuell sinkenden Umsätzen anpassen", wie Merrill-Vizechairman Thomas Fitzpatrick vergangene Woche sagte. Ähnlich geht es der Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney und JP Morgan, Teil der Großbank JP Morgan Chase.

Sie alle kämpfen mit den kleineren Wall-Street-Namen und den ausländischen Häusern - darunter Deutsche Bank, UBS Warburg und Credit Suisse First Boston - um drei Plätze als AOL-Konsortialführer. Einer davon ist wohl schon vergeben - an das mittelgroße New Yorker Haus Bear Sterns. Als Grund, so verschiedene US-Medien unter Berufung auf AOL-Kreise, gilt die erfolgreiche Arbeit von Bear-Sterns-Präsident Alan Schwartz für AOL Time Warner.

Für Bear wäre das Mandat ein großer Sprung nach vorne. Die Bank landete 2002 mit 2,6 Mrd.$ nur auf Platz acht der Liste der Banken mit den größten US-Börsengängen. Sollte 2003 ein so mageres Börsengang-Jahr werden wie 2002, dann würde eine Rolle beim AOL-Deal fast schon eine Platzierung auf den prestigeträchtigen Rennlisten garantieren.

Um so härter ist die Konkurrenz um die verbleibenden zwei Plätze. Angesichts des Schuldenberges von AOL Time Warner, den Experten mit 26 Mrd. $ beziffern, tippen Insider auf kapitalstarke Banken. Diese sollen zum Börsengang gleich eine Kreditlinie von 2,1 Mrd. $ mitbringen, die der Konzern für weitere Geschäfte benötigt. Von den US-Häusern könnten Citigroup und JP Morgan Chase diese Summe leicht stemmen. Das gilt auch für die Deutsche Bank. und die Bank of America. Nur mit Mühe könnte Merrill Lynch mithalten. Das führende US-Wertpapierhaus hat zwar eine solide Basis im Retail-Brokerage, ist aber kleiner als die Universalbanken.

Reinrassige Investmentbanken könnten bei dem IPO nur mitmischen, indem sie ein Kreditkonsortium oder eine Brückenfinanzierung arrangieren. Auf diese Weise hat Goldman Sachs in der Vergangenheit mehrfach versucht, fehlende Kreditkapazitäten auszugleichen. Morgan Stanley (MS) hätte ebenfalls schlechte Karten. Doch nach Einschätzung des WSJ könnte die Bank quasi durch die Hintertür ins Konsortium gelangen. Denn womöglich darf der US-Fernsehanbieter Comcast, der ebenfalls an der AOL-Kabelsparte beteiligt ist, einen vierten Konsortialführer benennen. Dann gilt MS als klarer Favorit.

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