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02.01.2003

10:20 Uhr

Investmentbanking

Analyse: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

VonRobert Landgraf

Irak, Irak und nochmals Irak. Viele Investmentbanker können und wollen den Namen des Zweistromlandes nicht mehr hören. Zu viel hängt von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Ein Krieg zwischen den USA und dem Irak scheint unvermeidbar, nur darf er sich nicht zu lange hinziehen. Unabhängig von den damit verbundenen menschlichen Tragödien würde auch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, der Neuemission von Aktien und Anleihen sowie der Wertpapierhandel darunter leiden.

In den letzten Jahren ist das Investmentbanking sowieso stark gebeutelt worden. Vorbei sind die Zeiten, in denen die mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen ausgestatteten Elitebanker nur über die Höhe der Steigerungsraten in ihrem Bereich diskutierten. Inzwischen stehen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und Deutschland immer mehr Top-Leute auf der Straße und suchen eine neue Beschäftigung.

Zudem müssen deutliche Abstriche bei der Bezahlung hingenommen werden. Die Zeiten, in den Boni in Millionenhöhe keine Seltenheit waren, ist vorbei. Dieser Trend wird sich in den nächsten Monaten sicherlich fortsetzen. Zu sehr sind die Pläne der Banken nach den schlechten Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre von Vorsicht geprägt.

Es drängt sich der Eindruck auf: Hier wird zu viel des Guten getan! Eingeräumt: Die Lage bei der Merger-&- Akquisition-Beratung und im Emissionsgeschäft ist zurzeit noch schlechter als vor gut einem Jahr, als die Auswirkungen der Terroranschläge von New York und Washington die Branche massiv trafen. Doch die Investmentbanken haben in der Zwischenzeit nicht geschlafen und die Kosten drastisch gesenkt. Nicht nur das. Institute wie die Commerzbank schneiden ihr Geschäft in diesem Bereich stark zurück und es würde nicht überraschen, wenn sie ihr Angebot bald nur noch auf das Notwendigste beschränken. Risiko-Management für den Mittelstand oder strukturierte Anlageprodukte sind Beispiele für Finanzinstrumente, bei denen Banken dieser Größenordnung ihren Zugang zu den Kunden nutzen können. Dabei sollte es dann aber auch bleiben.

Um den Rest können sich die großen internationalen Häuser wie etwa Goldman Sachs, Deutsche Bank und UBS Warburg streiten. Das gilt auch für Deutschland, das trotz aller Diskussion noch immer die größte Wirtschaftsmacht in Europa ist. Hier zu Lande sieht die Lage gar nicht so schlecht aus. So ist etwa das Geschäft in der Königsdisziplin Fusionen und Übernahmen gegen Jahresende hin wieder angesprungen. Die Unternehmen sind nicht mehr so stark mit sich selbst beschäftigt, wie das vor kurzem noch der Fall war. Der Blick geht nach vorne. Zudem können derzeit Firmen zu attraktiven Preisen gekauft werden. Allerdings dauert die Vorbereitungszeit für neue Deals länger. Alle sind zögerlich geworden. Im Februar oder März wird sich zeigen, wo der Hase in 2003 hinläuft. Kommt es besser als gedacht, dann werden die Institute schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Neue (alte) Investmentbanker müssen wieder eingestellt werden. Das wäre endlich eine gute Nachricht. Allerdings: Ohne eine schnelle Lösung bei einem Irak-Krieg bleiben das alles nur Träumereien.

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