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29.01.2003

07:41 Uhr

Investmentclubs: Altria als Favorit

Irak-Konflikt spaltet Aktienstrategen

VonKATHRIN QUANDT

Vor dem Hintergrund der Krise am Golf haben die hier zu Lande professionell gemanagten Club unterschiedliche Anlagestrategien. Zwei setzen auf defensive Werte, der dritte dagegen auf Technologietitel.

FRANKFURT/M. Die Angst vor einem Krieg im Irak belastet die Aktienkurse. Wie unterschiedlich Anleger mit dieser Situation umgehen können, demonstrieren die Anlagerezepte der drei großen deutschen Investmentclubs. Ihre Chefs verwalten immerhin Depots zwischen 20 und 50 Mill. Euro.

Michael Arpe, Chef des Hanseatischen Aktienclubs (HAC) aus Hamburg geht im Moment lieber auf Nummer sicher. Die Hanseaten halten mit 50 % derzeit eine besonders eine hohe Bargeldquote. Da die Unsicherheit über das Vorgehen der Amerikaner noch eine Weile wird, dürften die Kurse noch weiter fallen, meint Arpe. Dennoch wollen er und seine Mitstreiter günstige Kaufgelegenheiten nutzen.

Völlig anders sieht Jörg Wiechmann vom Itzehoer Aktien Club (IAC) die Lage. Der IAC-Clubchef plädiert zum Einstieg an der Börse: "Es ist nicht sinnvoll, abzuwarten, wie sich die Lage im Irak entwickelt - denn vor allem die Unsicherheit sorgt für niedrige Kurse." Sobald klar sei, ob und wann es einen Krieg gibt, dürften die Notierungen zumindest kurzfristig wieder steigen, glaubt Wiechmann.

Der dritte große Club in Deutschland, der Münchner Investmentclub (MIC), geht den goldenen Mittelweg: "Schrittweise zukaufen", rät Clubchef Andreas Grünewald. Er ist sich mit Kollege Arpe vor allem in einem anderen Punkt einig: Beide sehen Technologiewerte als immer noch zu hoch bewertet an. Sie setzen daher vorwiegend auf defensive Werte mit Schwerpunkt in Europa. Das schlägt sich beim HAC-Depot in einem Europa-Anteil von 27 % nieder.

Beim MIC-Portfolio - das neben Aktien auch Anleihen auch ein Goldzertifikat enthält - machen europäische Titel gar 80 % des Aktienanteils aus. Grünewald nennt die beiden Gründe dafür: den vermutlich weiter schwachen Dollar aufgrund des anhaltend hohen Handelsbilanzdefizit der USA und die im Vergleich zu Europa höhere Bewertung von US-Werten.

Das sehen die IAC-Strategen ganz anders: "Der Dollarkurs ist zurzeit stark politisch geprägt. Er steht wegen eines möglichen Alleingangs der USA im Irak unter Druck, aber das Blatt kann sich schnell wenden", meint Wiechmann und fügt mit Blick auf die in Europa stärker gesunkenen Aktienkurse hinzu: "Nicht alles, was tief fällt, muss unbedingt steigen." Abgesehen davon: Selbst ein schwacher Dollar komme dem US-Markt zugute, indem er die Ergebnisse und Kurse der Exporteure nach oben ziehe. So setzen denn die Itzehoer vor allem auf nordamerikanische Titel. Ihr Anteil am Gesamtdepot liegt bei 47 %.

Von den anderen Clubs unterscheidet sich der IAC auch in anderer Hinsicht: Er investiert in Technologietitel! "Zwar sind die Kurse der Branchenriesen gesunken, aber so wie Intel und IBM konnten viele Unternehmen ihre Marktanteile ausweiten. Das ist ein gutes Zeichen", analysiert Wiechmann. Er ist überzeugt, dass die Wachstumsaussichten der Marktführer gut sind. Für den Favoriten Microsoft gebe es außerdem ein weiteres Argument: "Cash ist in der Krise King." Microsoft sei mit einem Polster von 40 Mrd. Dollar das "größte Girokonto der Welt".

Allerdings setzen auch die Nordlichter nicht alles auf eine Karte. Einen Teil des Geldes haben sie wie auch die anderen beiden Clubs in defensive Werte investiert. Pharmawerte stehen dabei an erster Stelle. Die Clubchefs verweisen auf den Trend der Überalterung und auf die Gesundheitsreform in Deutschland. Während Wiechmann Pfizer hervorhebt, nennt Arpe Altana. Grünewald stellt Stada als einen der führenden Generikahersteller in Europa mit breit aufgestelltem Produktportfolio heraus.

Konsumtitel sind ebenfalls in allen drei Club-Depots zu finden: "Wenn es den Leuten in der Krise schlecht geht, trinken sie eher mal ein Bier mehr. Und auf eine Tafel Schokolade verzichten sie auch nicht so schnell", kommentiert Arpe die Engagements in Heineken und in Nestlé. Zum Favorit bei allen drei Clubs gehört Altria (ehemals Philip Morris). Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,2 für 2003 ist die Aktie niedrig bewertet und die Dividendenrendite von 6,8 % kann sich sehen lassen. Außerdem: Geraucht wird auch in der Wirtschaftskrise - Kurspotenzial ist damit vorhanden. Die Klagen von Rauchern in den USA gefährden die Finanzkraft des Unternehmens nach Ansicht der Experten nicht, schließlich geben es bereits hohe Rückstellungen für mögliche Entschädigungsleistungen.

Übrigens hat das IAC-Depot, das nach seinem Volumen größte aller drei Clubs, in Baissezeiten gar nicht einmal schlecht abgeschnitten: In den letzten drei Jahren fiel der Wert um etwa 42 %, das des HAC sank dagegen um 46 %. Bei den Bayern hielt sich das Minus mit 36 % dagegen in Grenzen.

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