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10.01.2003

06:00 Uhr

Investments in den Emerging Markets haben sich bezahlt gemacht

Schwellenländer bieten Kurspotenzial

VonRegine Palm

Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben sich in einem sehr schwierigen Börsenjahr in der Mehrzahl bewährt. Die Krisenherde Türkei und in Argentinien zeigen aber, dass es die Emerging Markets nach wie vor hohe Risiken aufweisen. Analysten gehen für 2003 jedoch von steigenden Kursen aus.

DÜSSELDORF/FRANKFURT "Die Investoren haben realisiert, dass sich auch in den Emerging Markets etwas getan hat", sagt Thomas Gerhardt von der DWS Investment GmbH. Dies sei der Grund, dass die Börsen der sich noch entwickelnden Volkswirtschaften in den letzten Jahren besser abschnitten als die etablierten Finanzmärkte. Und daran wird es nach Ansicht des DWS-Fondsmanagers in diesem Jahr nichts ändern. "Der Bereich Emerging Markets wird deutlich stärker wachsen", ist Gerhardt überzeugt. Trotz zum Teil erheblicher Kurssteigerungen böten die Märkte attraktive Bewertungen.

Robert J. Pelosky von Morgan Stanley rät denn zu einer "Übergewichtung" von Aktien der Emerging Markets. Das durchschnittliche KursGewinn-Verhältnis der von Morgan Stanley analysierten Schwellenländer-Börsen liegt auf Basis der für 2003 erwarteten Unternehmensgewinne derzeit bei etwa 11,1 - verglichen mit 16,2 in den USA und 15,6 in Europa. "Noch weisen die Emerging Markets einen Abschlag zu den Kapitalmärkten der entwickelten Volkswirtschaften auf", sagt Gerhardt.

Kent Hargis vom Finanzhaus Goldman Sachs führt die positive Kursentwicklung der Börsen in den Emerging Markets nicht zuletzt auf die seit Oktober wieder zunehmende Risikobereitschaft der Anleger zurück. "Wir glauben indes, dass die Risikoneigung in den nächsten Wochen nachlassen wird - bis wir klare Zeichen für ein stärkeres Wachstum der Weltwirtschaft sehen oder mehr Klarheit in der Irak-Situation besteht", sagt Hargis.

Analysten weisen dabei immer wieder darauf hin, dass die einzelnen Emerging Markets allerdings noch längst nicht in einem Atemzug zu nennen sind. Je nach Region gibt es erhebliche qualitative Unterschiede - und zum Teil auch innerhalb der Regionen selbst. Michael Konstantinov hat beobachtet: "Die schlechtesten Performer eines Jahres zählen im Folgejahr oft zu den besseren Börsen." Der Leiter des Analyseteams für Emerging Markets bei der Fondsgesellschaft DIT behält daher 2003 Brasilien und die Türkei im Blick. Für Hargis sind die Börsen in Mexiko und Korea attraktiver als die Märkte in Brasilien und Taiwan.

Die Türkei "könnte mittelfristig ein sehr interessanter Markt werden", sagt Konstantinov. Der Kopenhagener Kompromiss über die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sei insgesamt als "positives Signal" zu werten. Kurzfristig belaste aber ein möglicher Irak-Krieg den Ausblick.

Bei Brasilien wird "mittelfristig die extrem niedrige Bewertung zum Tragen kommen", glaubt Konstantinov. Das Land könnte eine ähnliche Entwicklung wie die asiatischen Länder nach der Krise 1997 nehmen. Ein großes Manko in diesem Szenario sei jedoch die starke Verschuldung Brasiliens. Skeptischer ist Gerhardt, der den Vergleich mit Asien zieht. Ein Beispiel biete Thailand: Seit der Krise im Juli 1997 wurde 2002 erstmals wieder ein signifikantes Wirtschaftswachstum von 5 % verzeichnet. Der DWS-Experte befürchtet, dass die Situation in Brasilien ähnlich sein könnte. Denn erfahrungsgemäß werde "der IWF auf der Wachstumsbremse stehen". Einer Meinung sind sich die Experten dagegen mit Blick auf Argentinien und winken beide ab.

Ebenfalls einig sind sich die Experten bei Asien. Makroökonomisch sehe "die Region mit am besten aus", lobt Konstantinov. Für Länder wie Korea, China und Thailand spreche auch die "robuste und starke Binnennachfrage". Ezra Sun, Fondsmanager des Mellon Asian Equity Portfolio erwartet, "dass Nordasien in den nächsten Jahren die Nase vorn haben wird". Er sieht noch erhebliches Wachstumspotenzial. Gerhardt gefällt besonders China: "Es ist das einzige große Land auf der Welt, das mit 7 bis 8 % wächst." Unter Qualitätskriterien empfehle sich aber ein Engagement in H-Aktien und Red-Chips an der Börse Hongkong. Auch Taiwan könnte interessant werden. Laut Gerhardt ist aber hier die Frage entscheidend, "wann die Unternehmen wieder in ihre IT-Infrastruktur investieren".

In Zentraleuropa "bleibt das Konvergenzthema", sagt Konstantinov. Die Zinsen würden sich dem westeuropäischen Niveau weiter angleichen. Doch bestehe "am kurzen Ende noch relativ viel Luft" und die Märkte böten "noch gute Perspektiven". Der DIT-Experte hebt insbesondere Ungarn hervor. Dort gebe es vier bis fünf Unternehmen, die bereits eine ansprechende Größe hätten - beispielsweise Matav, Mol oder die OTP-Bank. Angesichts der Konvergenzbestrebungen sieht Gerhardt in den zentraleuropäischen Staaten auch zinssensitive Werte wie die polnische Bank Pekao im Aufwind. Diese dürften am stärksten von fallenden Zinsen profitieren. Insgesamt dürfe aber nicht übersehen werden, dass diese Märkte immer noch sehr klein sind.

In Russland gefallen dem DWS - Manager Energietitel wie Yukos oder Lukoil. Sie sollten von den derzeit hohen Rohölpreisen profitieren. Laut Gerhardt werden die Notierungen - ungeachtet der jüngsten Übertreibungen - im Durchschnitt höher liegen als bisher von Unternehmen und Analysten kalkuliert.

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