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10.01.2002

13:30 Uhr

Investoren in Turin herzlich willkommen

Jetzt will Gaddafi 20 % von "Juve"

Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi will sein Engagement als Groß-Aktionär bei Juventus Turin weiter ausbauen. "Der Kauf von 5,31 % der Juve-Aktien war nur der Anfang. Wir wollen 20 % der Aktien erwerben", erklärte der Sohn des libyschen Revolutionsführers, Al Saadi, am Donnerstag gegenüber der "La Gazzetta dello Sport".

dpa TURIN. "Wir sind nicht nur hier, um Geld zu verdienen, sondern auch aus Liebe zum Sport und zu diesem Club", erklärte der 28-jährige Gaddafi-Sohn. Durch die Teilhaberschaft am beliebtesten Fußball-Club Italiens erhoffen sich die Libyer auch eine politische und wirtschaftliche Annäherung an die einstige Kolonialmacht.

Beim italienischen Rekordmeister wird Gaddafis Engagement positiv aufgenommen. "Das zeigt, dass man auch im Ausland an uns glaubt", meinte "Juves" Geschäftsführer Antonio Giraudo. Mit dem Börsengang im Dezember 2001 hatte der amtierende Vize-Meister das Projekt "Mondo Juve" (Juve Welt) ins Leben gerufen, das einen Ausbau des Fußball- Clubs in einen Unterhaltungskonzern vorsieht. Auch andere italienische Clubs begrüßten Gaddafis Engagement im italienischen Fußball. "Die Libyer sind uns wie alle anderen Ausländer als Investoren willkommen", erklärte Lazio Roms Generaldirektor Massimo Cragnotti.

Schon jetzt ist Gaddafi mit seiner Investmentgesellschaft "Lafico" mit 6,4 Mill. Aktien im Wert von rund 23 Mill. Euro zweitgrößter "Juve"-Aktionär nach der Familie Agnelli, die 63 % der Anteile kontrolliert. Die Libyer erhoffen sich von ihrem Engagement vor allem auch Impulse für den Fußball im eigenen Land. "Wir wollen uns unbedingt für die WM 2006 in Deutschland qualifizieren", kündigte Al Saadi an, der selbst bereits in der libyschen Nationalmannschaft gespielt hatte. Den Italiener Franco Scogli will er für die nächsten vier Jahre als Nationaltrainer verpflichten. Juventus Turin verspricht Gaddafi jr vor allem frisches Geld für neue Spieler. "Mit uns wird Juve noch stärker auf dem Spielermarkt sein", sagte Al Saadi.

Der Einstieg bei "Juve" ist nicht das erste Geschäft der Libyer mit dem mächtigen Agnelli-Clan. Vor 26 Jahren verkaufte Agnelli 9,09 des damals kriselnden Fiat-Konzerns an Gaddafi. 1986 kaufte der gesundete Autobauer von Gaddafi das mittlerweile auf 15,19 % angewachsene Aktienpaket wieder zurück. Fiat war wieder flott gemacht und Gaddafi strich dank der Kursgewinne umgerechnet rund 1,5 Mrd. Euro ein.

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