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14.03.2003

07:28 Uhr

Investoren sehen in hochverzinslichen Unternehmensanleihen eine Alternative zu Aktien

Junkbonds werden wieder beliebter

VonAndrea Cünnen

Selbst konservative Anleger wie Investment-Guru Warren Buffet setzen derzeit auf spekulative Unternehmensanleihen, die hohe Renditen bieten. Immer mehr Investoren ziehen die wegen ihres hohen Ausfallrisikos auch Junkbonds genannten Papiere den Aktien vor. Dabei ist laut Experten die Risikostreuung besonders wichtig.

FRANKFURT/M. Auf den ersten Blick scheint es paradox: Einerseits fliehen Anleger aus riskanten Aktien und investieren stattdessen in als sicher geltende Staatsanleihen von Industrienationen. Andererseits kaufen sie verstärkt hochverzinsliche Unternehmensanleihen. Seit Oktober sind deren Renditen im Schnitt deutlich gesunken - in Europa etwa von knapp 19 % auf gut 12 % (s. Grafik). Dabei ist das Ausfallrisiko der Unternehmensbonds, denen die Ratingagenturen nur eine mangelhafte Kreditwürdigkeit attestieren, hoch. Salopp werden die hochverzinslichen Unternehmensanleihen so auch Junkbonds oder Schrottanleihen genannt.

"Dennoch gelten Anleihen - egal welcher Bonität - insgesamt als sicherer als Aktien", sagt Michael Ludwig, der beim auf hochverzinsliche Unternehmensanleihen spezialisierten Vermögensverwalter Muzinich & Co in New York institutionelle deutsche Anleger betreut. Denn im Konkursfall bekommen Anleihebesitzer meist mehr Geld zurück als die Aktionäre. "Letztlich profitieren so auch die High-Yield- Bonds von der Flucht in die Qualität", erklärt Ludwig. Außerdem seien Aktien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis nicht billig. Das meinen auch als konservativ geltende Investoren wie Warren Buffet. Buffet hat für seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway sein Engagement in hochverzinsliche Anleihen auf 8,3 Mrd. Dollar versechsfacht. Nur dort könne er "vernünftige Preise" finden, ließ er die Aktionäre von Berkshire Hathaway wissen. "Viele Investoren waren sehr überrascht von der Höhe dieser Zahl", sagt Kevin Akioka, Fondsmanager bei der US-Investmentgesellschaft Payden & Rygel. In den vergangenen zwei Wochen hätten amerikanische Hochzins- anleihen-Publikumsfonds Mittelzuflüsse in Milliardenhöhe verbucht. Da diese Gelder wieder in die Junkbonds angelegt werden, ist Akioka zuversichtlich, dass die Rallye weiter geht.

Auch Andrew Jessop, Managing Director und Leiter des High Yield Portfolio-Managements bei Goldman Sachs betont, dass die hochverzinslichen Unternehmensanleihen trotz der jüngsten Rally noch historisch hohe Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen bieten. Für die Junkbonds spreche zudem, dass die Ausfallraten sinken, nachdem sie im dritten Quartal 2002 ihren Höhepunkt erreicht hatten. So erwartet die Ratingagentur Moody?s, dass in diesem Jahr 6,9 % aller als spekulativ eingestuften Unternehmen ihre Anleihen nicht bedienen werden. Im vergangen Jahr lag diese Quote noch bei 8,3 %. Außerdem werde eine moderat anziehende Wirtschaft und die anhaltende Konzentration vieler Unternehmen auf Schuldenabbau das High-Yield-Segment stützen, sagt Jessop. Dabei sei es bei Junkbonds aber besonders wichtig, sich die einzelnen Unternehmen genau anzusehen.

Von der jüngsten Rally der Junkbonds profitierten vor allem als besonders schwach eingestufte Unternehmen mit einem Rating im Dreifach-C-Bereich. Die Bondkurse des US-Telekomausrüsters Lucent haben sich zum Beispiel seit Oktober auf etwa 80 % mehr als verdoppelt. Auch Versorger wie El Paso oder Dynegy verbesserten sich erheblich. Ludwig findet es nicht ganz ungefährlich, dass die schwächsten Kredite am besten performt haben. Wenn sich die Wirtschaft schwächer entwickle als erwartet und sich ein möglicher Krieg gegen den Irak länger hinziehe, könne dieser Trend schnell wieder umkehren.

Einig sind sich Experten, dass bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen die Streuung besonders wichtig ist. Sie raten deshalb den Anlegern, mit Engagements in Einzeltiteln vorsichtig zu sein. Hendrik Liebold, der für die Fondsgesellschaft SEB Invest den SEB Invest High Yield verwaltet, hat keine Einzelposition mit einem Anteil von mehr als 1,4 % am Fondsvermögen und streut das Risiko auf 210 Titel. "Dabei sind wir in defensiven Branchen wie Immobilien, Pharma und Energie übergewichtet, um die Risiken im Fonds klein zu halten", sagt Liebold. Er suche vor allem Unternehmen aus, die ihre Zinsbelastung aus dem Cash-Flow bezahlen könnten und die zuletzt gute Geschäftszahlen vorgelegt haben. In Frage kommen nur Emittenten, deren Ratingnoten bei B- von Standard & Poor?s B3 von Moody?s liegen. Zu Liebolds aktuellen Favoriten zählen Anleihen des Verpackungsunternehmens Kappa Beheer, des Haushalts- und Automobiltechnikherstellers American Standard, des Pharmazulieferers Fresenius sowie des Nahrungsmittelkonzerns United Biscuits. Weitere große Positionen im Fonds haben Bonds des Industriegaslieferanten Messer Griesheim, des Jeansherstellers Levi Strauss und des Immobilienkonzerns Jones Lang Lasalle.

Payden & Rygel-Manager Akioka betreut den Metzler/Payden Global High Yield Bond Fund, nennt aber keine Einzeltitel. Der Fonds setzt fast nur auf US-Unternehmen. "Der europäische Markt für Hochzins-Unternehmensanleihen ist zur Zeit noch relativ illiquide und weist nur wenige Branchen- und Ratingklassen auf", sagt er.

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