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28.01.2003

17:03 Uhr

Irak: Blix-Bericht „unausgewogen“

Saddam wittert Verrat

Der irakische Diktator hat seine Offiziere aufgefordert, auf mögliche Verräter in den eigenen Reihen zu achten. "Verrat ist unmännlich", sagte er. Derweil erwägen die USA, Überläufern Straffreiheit zu gewähren.

Irakische Soldaten bei einer Militärparade in Bagdad. Foto: dpa

Irakische Soldaten bei einer Militärparade in Bagdad. Foto: dpa

rtr/dpa BAGDAD. Iraks Präsident Saddam Hussein hat seine Militäroffiziere zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber möglichen Verrätern in den eigenen Reihen aufgerufen, wie amtliche irakische Zeitungen am Dienstag berichteten.

Er selbst sehe keinen Anlass zur Sorge, habe den Offizieren jedoch geraten, demonstrativ wachsam zu sein, hieß es. "Verrat ist immer ein Zustand der Schwäche", zitierten die Zeitungen Saddam am Dienstag. "Verrat ist unmännlich", habe er hinzugefügt.

Saddams Vorgehen gegen abweichende Meinungen gilt als schonungslos. "Dieser Typ hat in der Vergangenheit jeden in seiner Umgebung umgebracht, der so aussah, als ob er aus der Reihen tanzte, einschließlich Mitglieder seiner engsten Familie", sagte der frühere Direktor des US-Geheimdienstes CIA James Woolsey. US-Behörden erwägen die Möglichkeit, hochrangigen Irakern Straffreiheit gewähren, um einen kriegsfreien Regierungswechsel zu unterstützen.

Derweil hat der Irak am Dienstag in einer ersten offiziellen Stellungnahme den Bericht von UN-Chefinspekteur Hans Blix vom Vortag als "unausgewogen" kritisiert. Bagdad betonte aber zugleich die Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit mit den Waffeninspekteuren. "Es gab (in dem Bericht) keine ausgewogene Darstellung der Fakten", erklärte Amer Mohammed Raschid, Berater des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Der Irak habe sich ganz den UN-Inspektionen geöffnet, während der Bericht "gewisse Fakten, die als Probleme dargestellt wurden, vergrößert".

Zugleich erklärte Raschid die Bereitschaft der irakischen Führung, weiter mit den UN-Inspekteuren zu kooperieren. "Wir werden nach immer mehr Beweisen gefragt, und wir sind auch bereit, weitere Klarstellungen zu liefern", sagte er. "Wir sind bereit dazu, aber auf kooperative Weise und nicht als wären wir die Verdächtigen", fügte er hinzu.

Die USA werfen Irak vor, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und haben mit einem Militärschlag gedroht, sollte das Land nicht Abrüstungsvorgaben der Vereinten Nationen (Uno) unterstützen. Irak hat die Vorwürfe züruckgewiesen.

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