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21.03.2003

07:40 Uhr

Irak

Kommentar: Vom Kriege

VonThomas Knipp

Am Golf sprechen jetzt die Waffen. Die diplomatische Welt blickt mit Bestürzung und einer gewissen Fassungslosigkeit auf die Trümmer ihrer Bemühungen in den vergangenen Monaten.

Am Golf sprechen jetzt die Waffen. Die diplomatische Welt blickt mit Bestürzung und einer gewissen Fassungslosigkeit auf die Trümmer ihrer Bemühungen in den vergangenen Monaten. Sie schaut mit kaum verhüllter Wut auf einen Krieg, den Amerika so offensichtlich um jeden Preis wollte. Während nun der dritte Golfkrieg beginnt, führt an einer Erkenntnis kein Weg vorbei: Die Diplomatie hatte in dieser Krise nie eine Chance. Amerika demonstriert seinen unwilligen Verbündeten und dem Rest der Welt die Arroganz seiner absoluten Macht.

Präsident George W. Bush und seine Regierung aber müssen wissen: Jeder Krieg hat seine unkalkulierbaren Risiken. Jeder Krieg hat seinen Preis - wirtschaftlich, aber auch politisch. Das Gebäude des Krieges ist gefährlich. Es kann leicht zusammenstürzen und uns unter seinen Trümmern begraben, schrieb schon der Stratege Carl von Clausewitz. Wohl dem, der sich da auf eine breit angelegte Koalition anderer Weltmächte verlassen kann. Amerika kann es nicht. Einstmals wichtige Verbündete wie Deutschland und die großen Vetomächte im Weltsicherheitsrat - China, Russland und Frankreich - haben klar und diplomatisch unverhüllt Position gegen Amerika bezogen. Sie stellen sich zu Recht auf den Standpunkt, dass das Völkerrecht nicht vom Recht des Stärkeren verdrängt werden darf. Die Partner von einst haben erkannt, dass Amerika kein verlässlicher Alliierter mehr ist. Über diesen Krieg und seine Folgen wird noch gestritten werden müssen.

Die Scharmützel der Diplomatie und der Politik aber werden warten müssen. Zunächst haben Amerika und seine kleine Schar von Verbündeten einen Krieg zu führen. Man kann - auch wenn man gegen diesen Waffengang ist - nur hoffen, dass Amerika eine schnelle Schlacht gelingt, die wenig Opfer fordert. Allein: Es fehlt uns der Glaube. Lassen wir uns von den Bildern der nächsten Tage nicht täuschen. Auch dieser Krieg wird trotz aller technischen Fortschritte kein sauberer werden. Das so gern vermittelte Bild des chirurgisch präzisen Schlages ist nicht mehr als ein Stilmittel der Propaganda, die in dieser Auseinandersetzung ebenso wichtig ist wie Panzer und Raketen. Kein Zweifel: Der Krieg der Regierung Bush wird Menschenleben kosten, und er wird humanitäres Elend über die ganze Region bringen.

Amerika geht mit diesem völkerrechtswidrigen Krieg ein gewaltiges Risiko ein - weniger im militärischen, sehr wohl aber im geopolitischen Sinne. Die Feldherren aus Washington müssen nun beweisen, dass sie nicht nur die Schlacht gewinnen können, sondern auch den Frieden danach - im Irak und in der gesamten Region. Ebendas aber wird ihnen kaum gelingen. Die Region ist nicht für das von Amerika angestrebte demokratische System bereit. Was in Amerika funktionieren mag, das muss nicht auch in Arabien glücken. Wahrscheinlicher als die Demokratie ist daher eine Militärregierung von Amerikas Gnaden. Dies aber wird nur eines bewirken: Es wird den Extremisten des Islams Aufwind verschaffen. Mit allen Konsequenzen nicht nur für die Region. Die Welt, die George Bush vor "großen Gefahren schützen" will, diese Welt ist mit diesem Krieg unsicherer geworden. Nicht sicherer.

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