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03.04.2003

17:16 Uhr

Irak-Krieg belastet Konjunktur

EZB-Zinssenkung vertagt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich trotz ungünstiger Konjunkturaussichten auf Grund des Irak- Krieges zu keiner weiteren Leitzinssenkung durchgerungen. Die Währungshüter sehen jedoch mittelfristig Spielraum für einen weiteren Zinsschritt nach unten, deutete Präsident Wim Duisenberg am Donnerstag in Rom an.

EZB-Präsident Wim Duisenberg

EZB-Präsident Wim Duisenberg

HB/dpa FRANKFURT/MAIN/ROM. Der wichtigste Zins für die europäische Kreditwirtschaft bleibt damit bei 2,50 %. Mit dieser Entscheidung des EZB-Rats hatte die Finanzwirtschaft überwiegend gerechnet.

In der siebten Zentralbankratssitzung außerhalb Frankfurts standen die möglichen Auswirkungen des Irak-Kriegs auf die Weltwirtschaft im Zentrum der Analysen. Derzeit sehen sich die europäischen Währungshüter aber noch nicht in der Lage, die Folgen des Golf- Konflikts auf die Konjunktur in Euroland realistisch abzuschätzen. Mit Sicherheit habe die militärische Auseinandersetzung die Wirtschaft in Europa - neben den ohnehin vorhandenen Schwachstellen - zusätzlich belastet, erläuterte Duisenberg. 2003 sei deshalb nur mit einem bescheidenen Wachstum zu rechnen.

Positiv hob der EZB-Präsident hervor, dass der Krieg das Finanzsystem nicht beeinträchtigt habe. Vor dem Hintergrund der internationalen Turbulenzen und Unsicherheiten hält Duisenberg den eingeschlagenen Weg der "ruhigen Hand" für richtig. Das Vertrauen der Verbraucher, Investoren und der Finanzmärkte könne am besten durch "Ruhe bewahren und ein Bild der Kontinuität" wiedergewonnen werden. Zuletzt hatte die Zentralbank vor vier Wochen die Zinsen um 0,25 Punkte zurückgenommen.

Sollten die Ölpreise weiter nachgeben, sei ein Rückgang der Inflationsrate unter die Warnschwelle von 2,0 % wahrscheinlich, betonte Duisenberg. Vor allem die Aufwertung des Euro und die schwache gesamtwirtschaftliche Nachfrage leisteten dazu einen wichtigen Beitrag. Geldhäuser und Volkswirte erwarten nun, dass es im Mai oder Juni zu einer Verringerung der EZB-Zinsen um bis zu 0,5 Punkte kommen wird.

Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm zeigte Verständnis für die Haltung der Währungshüter. Da derzeit nicht absehbar sei, wie lange sich die militärische Auseinandersetzung im Irak hinziehe, halte die EZB ihr Pulver trocken. "Dann kann sie reagieren, wenn die Zeiten noch schlechter werden". Ein Zwang zu einer Zinssenkung habe ohnehin nicht bestanden, weil die fundamentalen wirtschaftlichen Daten seit Anfang März kaum verändert seien.

"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", kommentierte die Frankfurter Deka-Bank den Ausgang der EZB-Sitzung. Da die Konjunkturprognosen ständig nach unten korrigiert würden, rechnet die Fondsgesellschaft der Sparkassen bereits für Mai mit einer Leitzinssenkung von 0,5 Punkten. "Die Wirtschaftsdaten sind auch ohne den Krieg schon schwach", sagte der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung, Ulrich Kater.

Auch die Volkswirte der Dresdner Bank halten in den nächsten Monaten ein Herunterschleusen der Notenbankzinsen für wahrscheinlich. Im Falle noch längerer Kampfhandlungen am Golf sei sogar ein halber Prozentpunkt möglich. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, ob man der äußerst schwachen Verfassung der deutschen Volkswirtschaft besonders Rechnung trage, meinte der Konjunktur-Experte Rolf Schneider. Zwar müsse die EZB das gesamte Euroland im Auge haben, sie könne am Geschehen der wichtigsten Volkswirtschaft aber nicht vorbeigehen.

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