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27.03.2003

12:26 Uhr

"Irak-Krieg ist unvermeidbare Schadenbegrenzung"

Merkel sendet keine Friedensbotschaft

CDU-Chefin Angela Merkel hat klarer als bislang ihre Unterstützung für den Irak-Krieg herausgestellt und das amerikanisch-britische Eingreifen als unumgängliche Schadensbegrenzung verteidigt. Ihre Haltung ist jedoch auch in der Union umstritten.

HB/dpa BERLIN/KÖLN. "Man hatte einen Punkt erreicht, an dem Krieg unvermeidbar geworden war. Bei einem Nichthandeln wäre der Schaden noch größer gewesen", sagte Merkel am Mittwochabend in der ARD-Sendung "Gabi Bauer".

Selbstverständlich seien die militärischen Auseinandersetzungen und die Folgen für die Zivilbevölkerung "extrem bedauerlich" und die täglichen Bilder "gehen auch an mir nicht spurlos vorbei". Doch dürfe man bei aller verständlichen emotionalen Reaktion die USA und Großbritannien jetzt nicht zu Schuldigen machen.

"Es ist eine Niederlage von Politik und Diplomatie, aber eines ist dieser Krieg mit Sicherheit nicht - nämlich ein Präventivkrieg", sagte Merkel. Wer 17 Resolutionen der Vereinten Nationen nicht beachte, dürfe nicht auf unbegrenztes Verständnis hoffen, erklärte die CDU-Chefin mit Blick auf den Irak. In den vergangenen Monaten hätten jedoch alle Seiten, auch die Amerikaner, große Fehler gemacht. "Die US-Regierung hat durch ihre Wortwahl den Eindruck erweckt, als wenn sie auf niemanden angewiesen wäre. Das war absolut falsch", so Merkel.

Süssmuth: Friedensbotschaft gehört an erste Stelle

Nach Ansicht von CDU-Politikerin Rita Süssmuth spiegelt die Haltung der CDU-Chefin nicht ausreichend die Stimmung an der Basis wider. "Es gibt sehr viele Menschen auch in meiner Partei, die es bedrückt, dass der Irak-Krieg mit militärischen Mitteln gelöst werden soll", sagte die CDU-Politikerin der "Welt". Die Unionsführung müsse auch die Haltung der Kriegsgegner ernst nehmen: "Zu den christlichen Werten gehört an allererster Stelle die Friedensbotschaft."

Pflüger: Merkel hängt ihr Fähnchen nicht nach dem Wind

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Friedbert Pflüger nannte am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk die Geschlossenheit innerhalb der Union beeindruckend. Pflüger verteidigte in der "Welt" die Haltung der CDU-Chefin: "Frau Merkel hat das völlig richtig gemacht." Sie hänge "ihr Fähnchen nicht nach dem Wind". Pflüger sagte: "Ich glaube, dies wird überall an der Parteibasis nicht nur respektiert, sondern bewundert."

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