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01.04.2003

13:45 Uhr

Irak-Krieg könnte Japans Exporte treffen

Zuversicht in der japanischen Wirtschaft schwindet

Der Irak-Krieg lässt in Japan die Hoffnung auf eine exportgestützte Erholung der Wirtschaft schwinden. Erstmals seit fünf Quartalen hat sich die Stimmung in der Großindustrie wieder verschlechtert, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten "Tankan"- Bericht der Bank von Japan für die Monate Januar bis März hervorgeht.

HB/dpa TOKIO. Hintergrund sind Befürchtungen, der Irak-Krieg könnte die US- Wirtschaft und damit auch Japans Exporte treffen. Die Exporte sind wieder einmal Japans einziger Wachstumsmotor und hatten im vergangenen Quartal zur Hälfte zum Wirtschaftswachstum von 0,5 % beigetragen.

Als die von der Zentralbank befragten Unternehmen ihre Einschätzungen abgaben, waren sie allerdings noch davon ausgegangen, dass der Krieg im Irak nur von kurzer Dauer sein werde. Da inzwischen jedoch befürchtet wird, dass er doch länger als erwartet dauern könnte, könnte der Pessimismus sogar noch zunehmen. Sollte der Exportmotor durch die Folgen des Krieges abgewürgt werden, könnte sich dies wiederum auf die Kapitalinvestitionen der Unternehmen auswirken.

Dabei hatte die Großindustrie für das am Dienstag begonnene neue Geschäftsjahr 2003 erstmals seit drei Jahren wieder einen Anstieg bei den Anlageinvestitionen um 2,9 % vorhergesagt. Doch dies könnte schon im nächsten Quartalsbericht wieder nach unten revidiert werden. Die Investitionsdaten seien zu rosig gewesen und hätten nicht die Möglichkeit eines langen Krieges im Irak berücksichtigt, sagte ein Ökonom der japanischen Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun".

Für Japans Unternehmen gibt es angesichts des Krieges und der drastischen Kursstürze an der Börse bis auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren derzeit wenig Grund zum Optimismus. Der Nikkei-Index schloss am Dienstag mit einem knappen Plus von 14,01 Punkten oder 0,18 % bei 7986,72 Punkten, nachdem er zuvor wieder nahe an sein 20-Jahres-Tief gestürzt war. Zudem leidet die zweitgrößte Wirtschaftsnation noch immer unter den massiven Problemkrediten der Banken, während die Preise weiter fallen und der Konsum, der 60 % der Wirtschaftsleistung ausmacht, weiterhin zu schwach ist.

Obgleich sich die Erträge der großen Produktionsunternehmen verbesserten, sank der Stimmungsindex angesichts der Kriegssorgen sowie der nur langsamen Zuwächse bei Produktion und Export um einen Punkt auf minus 10. Ein negativer Index bedeutet, dass die Mehrheit pessimistisch ist. Der alle drei Monate erstellte Tankan-Bericht ist eine umfassende Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht.

Die Stimmung unter den großen Unternehmen des Landes, die nicht zur verarbeitenden Industrie gehören und vorwiegend von der Inlandsnachfrage abhängen, verbesserte sich indes. Auch der Stimmungsindex für die Mehrheit der kleinen und mittelständischen Unternehmen verbesserte sich leicht, doch sind die Unternehmen für die kommenden drei Monate wieder pessimistischer. Als Folge des festeren Yen wird in Japan erwartet, dass die die Wirtschaft stützenden Exporte in diesem Fiskaljahr wieder nachgeben.

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