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07.01.2003

08:27 Uhr

Irakische Stellungen bombardiert

Bush nennt Saddams Rede „entmutigend“

US-Präsident George W. Bush hat die jüngsten Vorwürfe des irakischen Präsidenten Saddam Hussein als entmutigend für die Suche nach einer friedlichen Lösung im Abrüstungstreit mit Irak bezeichnet. Saddams Behauptung, die Uno-Waffeninspektoren spionierten seine Armee aus, sei "eine entmutigende Nachricht für diejenigen unter uns, die dies friedlich lösen wollen", sagte Bush nach einer Kabinettssitzung am Montag in Washington.

Reuters WASHINGTON/BAGDAD. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte, bislang lägen ihr keine Hinweise auf die Produktion von Atomwaffen in Irak vor. In London soll Verteidigungsminister Geoff Hoon nach Angaben aus Regierungskreisen das Parlament am Dienstag über einen weiteren Truppenaufmarsch am Golf informieren.

Saddam hatte am Montag die Arbeit der Uno-Inspektoren in einer Fernsehansprache als "reine Spionagetätigkeit" verurteilt. Die Drohung der USA, Irak mit Gewalt zu entwaffnen, bezeichnete er als "das Zischen von Schlangen und das Bellen von Hunden". Irak sei auf alles vorbereitet. Die USA werfen Irak den Besitz von Massenvernichtungswaffen vor und haben gedroht, das Land gewaltsam zu entwaffnen, falls es den Abrüstungsforderungen der Vereinten Nationen (Uno) nicht nachkommt.

Nach den Worten des IAEA-Direktors Mohamed ElBaradei liegen den Inspektoren bislang keine Hinweise auf die Produktion von Atomwaffen in Irak vor: "Wir haben bislang kein rauchendes Gewehr gesehen", sagte ElBaradei am Montag zu Reuters. Es sei aber zu früh, eine Schlussfolgerung zu ziehen. Bislang hat auch die für biologische und chemische Waffenprogramme zuständige Uno-Rüstungskommission UNMOVIC nach eigenen Angaben keine Hinweisen auf verbotene Waffen gefunden. Am 27. Januar sollen die Inspektoren dem Uno-Sicherheitsrat ihren Abschlussbericht vorlegen.

Die Uno-Waffeninspektoren nahmen am Dienstag erstmals aus der Luft ihre Kontrollen auf. Ein Hubschrauber habe ein Inspektorenteam zu einer Anlage in Akaschat nahe der Grenze zu Syrien gebracht, teilten irakische Behörden mit. Weitere Teams untersuchten Einrichtungen bei Bagdad und im Norden des Landes.

In London wurde erwartet, dass Verteidigungsminister Hoon die Mobilmachung von Kampftruppen und Schiffen bekannt geben würde. Zudem sollten bis zu 7 000 Reservisten den Befehl erhalten, sich für einen Einsatz bereit zu halten, verlautete aus Kreisen des Verteidigungsministeriums.

Die Türkei erlaubte den USA Presseberichten zufolge, Häfen und Luftwaffen-Stützpunkte des Landes zu inspizieren, die im Falle eines Angriffs auf Irak von strategischer Bedeutung sein könnten. 150 US-Vertreter sollten dazu in Kürze eintreffen, hieß es am Dienstag. Die Türkei hat sich noch nicht geäußert, ob sie den USA bei einem Angriff auf Irak Unterstützung gewährt. Es wird aber erwartet, dass das Nato-Land den USA trotz Vorbehalten seine Luftwaffenstützpunkte zur Verfügung stellt.

In den Plänen für einen irakischen Staat nach einem Sturz Saddams gehen die USA den Regierungskreisen zufolge von einer längeren US-Militärpräsenz im Land aus sowie umfangreichen Hilfen für die Versorgung der Bevölkerung und den Wiederaufbau der Wirtschaft aus. US-Truppen sowie Einheiten verbündeter Nationen blieben demzufolge so lange in Irak stationiert, bis Stabilität in dem Land gewährleistet sei, hieß es. Zu den Hilfen gehörten auch Nahrungsmittellieferungen und die Garantie der öffentlichen Sicherheit.

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