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11.02.2001

16:44 Uhr

Iran feiert seine Revolution

Iranischer Präsident spricht von "religiöser Demokratie"

Zum 22. Jahrestag der islamischen Revolution sprach Mohammed Chatami vor hunderttausenden Menschen in Teheran. Nach offiziellen Angaben wurden 50 Gegendemonstranten von der Polizei festgenommen. Augenzeugen sprechen von mindestens 100 Festnahmen und 20 Verletzten. Ein Grund für die Festnahmen wurde nicht genannt.

afp TEHERAN. Zum 22. Jahrestag der islamischen Revolution in Iran hat der reformorientierte Präsident Mohammed Chatami zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. "Wir müssen dem Volk vertrauen, dies ist die einzige Bedingung für das Fortbestehen der Revolution", sagte er am Samstag vor hunderttausenden Menschen in der Hauptstadt Teheran. Seine Zuhörer trugen Bilder des Gründers der islamischen Republik, Ayatollah Khomeini, des geistlichen Führers Ayatollah Ali Chamenei sowie von Chatami. Bei einer Demonstration gegen die Regierung nahm die Polizei offiziellen Angaben zufolge 50 der "300 bis 400" Demonstranten fest. Niemand sei verletzt worden. Augenzeugen sprachen von rund 3 000 Demonstranten, hundert Festnahmen und zwanzig Verletzten. Das Teheraner Revolutionsgericht lud für Dienstag zwei reformorientierte Abgeordnete vor. Ein Grund wurde nicht genannt.

Chatami sagte, Religion und Freiheit schlössen sich nicht gegenseitig aus. "Freiheit darf nicht zu Gunsten der Religion unterdrückt werden" und umgekehrt. Iran werde der Welt das Modell der "religiösen Demokratie" bringen. Kritik an den Mächtigen sei in der Vergangenheit ein Verbrechen gewesen, heute sei sie "ehrenwert". Die konservativen Geistlichen kritisierte der Präsident nur indirekt: Die Revolution gehöre "keiner einzelnen Gruppe", sagte Chatami.

Die Demonstration gegen die Regierung am Freitag sei nicht genehmigt gewesen, teilte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA am Sonntag mit. Islamische Milizionäre und Polizisten waren mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgegangen und hatten deren Spruchbänder zerstört. Die Kundgebungsteilnehmer hatten unter anderem Meinungsfreiheit gefordert.

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