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22.01.2002

21:22 Uhr

Israel droht erneut mit Vergeltung

Naher Osten: Neue Gewalt verschärft Spannungen

Ein neuer Anschlag in Jerusalem und eine israelische Militäraktion in Nablus haben die Spannungen im Nahen Osten erheblich verschärft.

ap JERUSALEM. Ein palästinensischer Attentäter eröffnete am Dienstag das Feuer auf eine Menschenmenge an einer Bushaltestelle im Zentrum von Jerusalem und verletzte acht Menschen. 20 Passanten erlitten einen Schock. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd wurde der Täter von der Polizei erschossen. Es handelt sich um ein Mitglied der El-Aksa-Brigaden der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat.

Die Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon drohte den Palästinensern erneut mit Vergeltung. "Sie können sichergehen, dass es eine israelische Reaktion geben wird", sagte Regierungssprecher Avi Pazner: "Israel hat bisher sehr wenig getan, und möglicherweise war die Medizin nicht stark genug und eine stärkere Reaktion ist nötig." Dagegen sagte der palästinensische Kabinettssekretär Achmed Abdel Rachman, Scharon sei wegen seiner fortgesetzten Aggression gegen die Palästinenser selbst schuld an der Entwicklung.

Wenige Stunden vor dem Anschlag in Jerusalem waren israelische Truppen in die Stadt Nablus einmarschiert und hatten bei einer Razzia in einem Sprengstofflager vier Mitglieder der radikalen Hamas-Bewegung getötet und elf festgenommen. Die Hamas drohte darauf mit einem "umfassenden Krieg" gegen israelische Soldaten und Siedler. Später zogen die israelischen Panzer wieder aus Nablus ab. Die Armee räumte am Dienstag auch die 30 Stunden zuvor besetzten Stadt Tulkarem im Westjordanland.

Als Reaktion auf den Einmarsch in Nablus versammelten sich mehr als 2 000 Hamas-Anhänger vor dem Hauptquartier der palästinensischen Polizei und forderten die Freilassung von mehr als zwei Dutzend inhaftierten Extremisten. Die Menge warf mit Steinen auf Polizisten, die daraufhin Warnschüsse in die Luft abgaben. Kurz darauf ließ die Polizei den Bruder eines der vier getöteten Hamas-Aktivisten frei.

Die Europäische Union will mit der Regierung Scharon über die Zerstörung von mit EU-Geldern errichteten Anlagen und Gebäuden im palästinensischen Autonomiegebiet durch israelische Truppen sprechen. Bei israelischen Militäraktionen waren erhebliche Zerstörungen an mit EU-Steuergeldern erbauten Einrichtungen verursacht worden, unter anderem am Internationalen Flughafen von Gaza.

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