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11.01.2001

13:25 Uhr

Israel lockert Absperrung von Autonomiegebieten

Konfliktparteien in Nahost wieder auf Annäherungskurs

Im Auf und Ab des Nahost-Konflikts zeichnet sich jetzt wieder eine Annäherung zwischen Israel und den Palästinensern ab. In Umsetzung einer amerikanischen Vermittlungsiniative lockerte Israel am Donnerstag die Absperrung der Autonomiegebiete.

ap JERUSALEM. In wenigen Tagen sollen direkte Verhandlungen zwischen beiden Regierungen beginnen.

Als Zeichen des guten Willens gab Israel mehrere Beschränkungen der Bewegungsfreiheit von Palästinensern auf, die nach Beginn der Unruhen vom 28. September verhängt worden waren. So wurde der Flughafen von Gaza wieder geöffnet und der Reiseverkehr zwischen dem Westjordanland und Jordanien sowie zwischen dem Gazastreifen und Ägypten zugelassen. Außerdem wurde die Blockade der palästinensischen Ortschaften Kalkilija und Dschenin aufgehoben. An der zentralen Netzarim-Straßenkreuzung in Gaza schoben Bulldozer der israelischen Armee Betonsperren beiseite. Israelische und palästinensische Beamte beobachteten die Arbeiten und reichten sich die Hand.

Die Aufhebung der Reisebeschränkungen ist der erste Teil eines Plans, den der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, beiden Konfliktparteien vorgelegt hat. In einem nächsten Schritt sollen innerhalb von zehn Tagen die gemeinsamen Sicherheitspatrouillen wieder aufgenommen werden.

Scharon nimmt den Wahlkampf auf

Der palästinensische Präsident Jassir Arafat ist nach Informationen aus Kreisen seiner Regierung entschlossen, zur Beruhigung der Lage beizutragen und Verhandlungen neu zu beginnen. Die Delegationen sollen dem Vernehmen nach vom israelischen Außenminister Schlomo Ben Ami und dem palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Kreia geleitet werden. Als inoffizielle Frist gilt das Ende der Amtszeit von US-Präsident Bill Clinton am Samstag nächster Woche.

Nur wenn es Israelis und Palästinensern gelingt, die Spannungen abzubauen und die Sicherheitslage zu verbessern, will der amerikanische Nahost-Unterhändler Dennis Ross wieder zu einer Vermittlungsmission in den Nahen Osten reisen. Er hatte am Mittwoch seine Reise auf unbestimmte Zeit verschoben.

Unterdessen startete der Vorsitzende des oppositionellen Likud-Blocks, Ariel Scharon, seine Kampagne für die Wahl des israelischen Ministerpräsidenten am 6. Februar. Bei einer Kundgebung in Jerusalem plädierte der konservative Politiker für Frieden, der jedoch Kompromisse vor allem auf Seiten der Araber erfordere. Scharon hatte mit seinem Besuch auf dem den Moslems heiligen Tempelberg Ende September die blutigen Unruhen ausgelöst, denen seitdem 364 Menschen, meist Palästinenser, zum Opfer fielen. In den Meinungsumfragen liegt er zurzeit mehr als zehn Prozentpunkte vor Barak.



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