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14.07.2000

15:34 Uhr

Thurmont, 14. Juli (AFP) - US-Präsident Bill Clinton hat Israel und die Palästinenser dazu aufgerufen, beim Nahost-Gipfel in Camp David Versöhnung zu schließen. Die früheren Gegner sollten dem Beispiel der USA und Vietnams folgen, die heute zum Wohle ihrer Völker eine gemeinsame Basis für die Zukunft suchten, sagte Clinton am Donnerstag an die Adresse des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat. Der US-Präsident hatte Camp David für mehrere Stunden verlassen und im Weißen Haus an einer Feier zur Unterzeichnung eines Handelsabkommens zwischen Washington und Hanoi teilgenommen. Am Abend kehrte er zum Verhandlungsort zurück. Trotz Nachrichtensperre sagte ein Berater Baraks, Israel sei zu Zugeständnissen an die Palästinenser bei Jerusalem-Frage bereit.

Bei der Zeremonie im Weißen Haus sagte Clinton vor Veteranen des Vietnam-Krieges: "Ich werde die Energie, die ich hier fühle, mit nach Camp David nehmen und sie (Israel und die Palästinenser) auffordern, dem Beispiel zu folgen." Anschließend aß er wie an den vorhergehenden beiden Gipfeltagen zusammen mit Barak und Arafat in Camp David zu Abend. Die "New York Times" berichtete am Freitag unter Berufung auf Mitarbeiter Clintons, der Präsident setze für einen Durchbruch in Camp David stark auf den gefühlsmäßigen Kontakt, den er zu Barak und Arafat hege. Wenn die Chemie zwischen den Staatsmänner stimme, könnten die Hindernisse der Geschichte aus dem Weg geräumt werden.

Nach Angaben von Baraks Medienberater Jospeh Alpher zeigte sich Israel bereit, einigen palästinensischen Stadtteilen Jerusalems einen "hohen Grad an Autonomie" zuzugestehen. Der Status Jerusalems ist eines der umstrittensten Themen zwischen den Konfliktparteien. Während Israel die Stadt für sich beansprucht und als "unteilbar" betrachtet, fordern die Palästinenser den 1967 von Israel annektierten arabischen Ostteil als Hauptstadt für ihren eigenen Staat. Alpher bestätigte Berichte über den Vorschlag eines Landtausches mit den Palästinensern. Nach der Vorstellungen Israels sollen bestimmte jüdische Siedlungen im Westjordanland von in Jerusalem eingemeindet werden. Im Gegenzug sollen einige palästinensische Viertel des israelischen Hauptstadt an das künftige Palästina abgetreten werden.

Außerdem biete Israel den Palästinensern die Einrichtung eines "Korridors" an, durch den sie aus Vororten wie Abu Dis ungehindert zu ihren Kultstätten wie dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee in der Altstadt Jerusalems gelangen könnten. Nach Angaben eines israelischen Delegationsmitglieds, das ungenannt bleiben wollte, könnten Vororte wie Abu Dis, Sawarha und Anata problemlos an die Palästinenser abgegeben werden. Probleme bereiteten nur Viertel wie Scheich Dscharah und die Einkaufsmeile um die Salaheddin-Straße in Ost-Jerusalem. Eine Lösung wäre nach Ansicht des Delegationsmitgliedes, den rechtlichen Status der Stadtteile erst "später" zu klären.

Nach einer neuesten Umfrage in Israel unterstützten 49 Prozent der Befragten ein Friedensabkommen, unabhängig davon, was es umfasst. Dagegen äußerten sich 32 Prozent. Paradoxerweise lehnte aber die Mehrheit der Befragten in derselben Studie Zugeständnisse an die Palästinenser grundsätzlich ab.

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