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23.06.2000

17:04 Uhr

Israel reagiert abwartend auf das Gesprächsangebot

Syrien zur Fortsetzung der Friedensgespräche bereit

Israel reagiert zurückhaltend auf die Offerte aus Damaskus. Kofi Annan zeigt sich nach einem offiziellen Besuch bei Beschar el Assad beeindruckt.

reuters DAMASKUS. Syrien ist nach den Worten seines Außenministers Faruk el Schara jederzeit zur Fortsetzung der Friedensgespräche mit Israel bereit. Das habe der designierte Präsident Baschar el Assad UNO-Generalsekretär Kofi Annan zugesichert, der sich zu einem offiziellen Besuch in Syrien aufhält. Die Regierung in Damaskus halte aber kompromisslos an ihrer Forderung fest, dass Israel sich von allen 1967 besetzten Gebieten zurückziehe, sagte Schara am Freitag in der Hauptstadt Damaskus. Nur auf dieser Basis sei Syrien zu Verhandlungen bereit. Israel reagierte zurückhaltend auf die Offerte aus Damaskus.

Annan sagte in Damaskus, er sehe in der Machtübernahme durch den Sohn des verstorbenen Präsidenten Hafis el Assad keinen Grund für ein Hinauszögern der Gespräche. Syrien habe starke Institutionen und die Machtübergabe an Baschar el Assad verlaufe reibungslos. Wenn es ernsthafte Vorschläge gebe, sehe er keinen Anlass, den Friedensprozess auszusetzen. Hafis el Assad starb am 10. Juni.

Über dessen Sohn äußerte sich Annan sehr beeindruckt. Baschar el Assad sei gut informiert und schätze die Angelegenheiten, mit denen er zu tun habe, präzise und klar ein. Er sei "ein Mann, der erkannt hat, dass er die historische Chance hat, eine wichtige Rolle zu spielen". Annan äußerte sich überzeugt, dass Assad diese Chance nutzen wird. "Ich ging mit dem Gefühl, dass er der Sohn seines Vaters ist", sagte Annan. Hafis el Assad hatte den Ruf, ein geschickter und pragmatischer Machtpolitiker zu sein.

Skeptischer äußerte sich der in Israel renommierte Politikexperte Uri Lubrani über die künftige Rolle Baschars. "Ich gebe ihm eine kaum 50-prozentige Überlebenschance", sagte er der Zeitung "Jedioth Ahronoth". Er glaube nicht, dass die Armee Befehle von einem unerfahrenen 34-Jährigen entgegennehme. "Was denken die Generäle in der syrischen Armee? ... Was ist mit der Moslembruderschaft, die schon so lange auf Rache wartet?", fragt Lubrani. 1982 hatten syrische Sicherheitskräfte einen Aufstand der radikalen Moslembrüder in Hama gewaltsam niedergeschlagen. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden in der dreiwöchigen Aktion mehr als 10 000 Menschen getötet.

Israels Regierung erklärte zu dem syrischen Gesprächsangebot, die Unterbrechung der Verhandlungen sei nicht von ihr ausgegangen. Wenn Syrien die Gespräche wieder aufnehmen wolle, wisse es, wie dies zu tun sei.

Hauptstreitpunkt ist der von Syrien geforderte Abzug Israels von den Golan-Höhen. Israel ist dazu unter gewissen Einschränkungen bereit, will aber auf jeden Fall den alleinigen Zugang zum See Genezareth behalten, dem größten Süßwasser- Reservoir der Region. Ein Versuch des US-Präsidenten Bill Clinton, Hafis el Assad bei einem Treffen im März in Genf territoriale Zugeständnisse abzuringen, blieb erfolglos.

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