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17.01.2001

18:47 Uhr

dpa GAZA/JERUSALEM. Unbekannte Täter haben am Mittwoch im Zentrum der Stadt Gaza den einflussreichen Leiter der palästinensischen Rundfunk- und Fernsehbehörde ermordet. Drei schwarzmaskierte Männer eröffneten nach Angaben seines Leibwächters das Feuer auf Hischam Maki, als dieser ein Hotel verließ. Der enge Vertraute von Palästinenserpräsident Jassir Arafat wurde am Kopf getroffen und starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die Identität der Mörder und ihre Motive blieben unklar. Die palästinensische Autonomiebehörde ließ aber über das Fernsehen ihre Ansicht verbreiten, eine "Gruppe von Kollaborateuren, Verrätern und Terroristen" habe den "Helden und Märtyrer" Maki getötet. Der 57- jährige Medienchef galt als korrupter Mann, der sich seit seiner Rückkehr in den Gazastreifen 1994 rücksichtlos bereicherte und daher viele Feinde unter den Palästinensern hatte.

Israel wies jegliche Verantwortung für den Mord an Maki zurück. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte nach Rundfunkangaben am Mittwochabend, israelische Sicherheitskräfte hätten nichts mit dem Zwischenfall zu tun. Israel hatte allerdings in den vergangenen Wochen ranghohe Palästinenser wegen des Vorwurfs verfolgt, an Terroranschlägen beteiligt gewesen zu sein, und eine Reihe von ihnen getötet. Jerusalem hatte auch den palästinensischen Medien wiederholt die Aufhetzung zu Gewalttaten gegen Israelis vorgeworfen.

Kurz vor dem Aufsehen erregenden Mord an Maki hatte Israel die am Montag nach dem Mord an einem Siedler verhängte Blockade des Gazastreifen wieder aufgehoben. Die Armee öffnete die Grenzübergänge zu Ägypten und Israel sowie eine zentrale Verbindungsstraße. Der Flugverkehr auf dem palästinensische Flughafen soll von diesem Donnerstag an wieder gestattet sein. Sicherheitsexperten beider Seiten hatten sich am Dienstagabend auf die Aufhebung der Strafmaßnahme geeinigt.

Unterhändler beider Seiten wollten ihre Verhandlungen am späten Mittwoch fortsetzen. Der palästinensische Chefunterhändler Ahmed Kurei bezeichnete die fortlaufenden Gespräche im palästinensischen Rundfunk als "ernsthaft". Die Kluft zwischen beiden Seiten sei jedoch weiterhin groß. Israelische Unterhändler berichteten von einem positiven Verlauf der Gespräche. Der US-Nahostvermittler Dennis Ross sagte nach Angaben des israelischen Rundfunks jedoch seinen geplanten Besuch in der Region endgültig ab.

Israels Außenminister Schlomo Ben-Ami traf unterdessen am Mittwoch in Ägypten mit seinem Amtskollegen Amre Mussa und Präsident Husni Mubarak zusammen. Am Abend war in Kairo nach israelischen Rundfunkberichten auch ein Gespräch Ben-Amis mit Arafat geplant.

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