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11.02.2001

15:51 Uhr

Ist Amerika am Ende des Jobwunders angelangt?

Weitere Konjunkturabkühlung in den USA erwartet

Jahrelang schien Arbeitslosigkeit in den USA kaum noch ein Thema zu sein - trotz aller Kritik aus Europa an den "McJobs" und "Billigarbeitsplätzen". Doch mit der Konjunkturabkühlung der vergangenen Monate setzt auch Beschäftigungsabbau ein. Allein in den vergangenen drei Wochen kündigten 13 Firmen den Abbau von zusammen rund 90 000 Stellen an - viele davon in den USA. Zuletzt teilte der Mobiltelefonhersteller Motorola am Freitag die Entlassung von bis zu 4 000 Mitarbeitern mit.

ap FRANKFURT/MAIN. Schon die US-Arbeitslosenquote für Januar 2001 war ein Signal: Die Arbeitslosenrate stieg auf 4,2 %, den höchsten Wert in 16 Monaten. Im Dezember 2000 hatte die Rate noch vier Prozent betragen. Das produzierende Gewerbe und vor allem die Autoindustrie hatten mit massiven Stellenstreichungen auf den Konjunkturrückgang reagiert. Allein im produzierenden Gewerbe gingen im Januar 65 000 Jobs verloren. Und seit Juni 2000 waren es eine Viertel Mill. Stellen.

Den deutlichsten Stellenabbau kündigte Ende Januar DaimlerChrysler an: 26 000 Arbeitsplätze sollen bei der angeschlagenen US-Sparte des deutsch-amerikanischen Autobauers in den kommenden drei Jahren abgebaut werden. Das ist immerhin ein Fünftel der heute noch 125 000 Mitarbeiter zählenden Belegschaft.

In Amerika werden Ängste wach

Nun werden auch in den USA Ängste wach. Sorgen bereitet Experten wie Betroffenen ein möglicher Domino-Effekt: Wachsende Unsicherheit unter den Beschäftigten, ob sie vielleicht die nächsten sind, könnte das Konsumentenverhalten vorsichtiger werden lassen und das wiederum könnte die derzeit fragile US-Wirtschaft weiter belasten.

So sagt denn auch Louis Crandall, Chef-Volkswirt von Wrightson Associates LLC in New York, ein Risiko liege in der Möglichkeit "sich selbst-erfüllender Prophezeiungen". Für Crandall ist das Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaftslage der wunde Punkt. Dass diese Sorge nicht ganz unbegründet ist, zeigt auch ein Index, der sich mit dem Verbrauchervertrauen befasst. Der Index fiel Ende Januar auf den tiefsten Stand in vier Jahren - vor allem wegen steigender Ängste über die eigenen Jobaussichten. Der Optimismus der Konsumenten galt als Schlüssel des langen US-Booms der vergangenen Jahre.

Deutsche Bank sieht zunehmende Risiken für US-Wirtschaft

Trotz der mahnenden Stimmen sehen aber keineswegs alle Wirtschaftsexperten die Zukunft düster. So wird der Stellenabbau auch als bittere Medizin betrachtet, die die US-Wirtschaft nun schlucken müsse, um wieder eine robuste Verfassung zu erreichen. Joel Naroff von Naroff Econimic Advisors etwa sagt, auch wenn die Entlassungen im Einzelfall schmerzten, sei es makroökonomisch die richtige Richtung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Konjunktur-Experten der Deutschen Bank haben Ende vergangener Woche jedoch erst einmal ihre Wachstumsprognose für die USA nach unten angepasst. Grund: Die schwachen Daten des US-Bruttoinlandsprodukts für das vierte Quartal 2000 und das schwindende Vertrauen "sowohl in der Industrie als auch auf Seiten der Verbraucher". Der Absturz des Indexes für das Verbrauchervertrauen "verheißt künftig niedrigere Wachstumsraten beim privaten Verbrauch, der im Schlussquartal 2000 die letzte verbliebene Wachstumsstütze darstellte".

Da im Unternehmenssektor zudem mit einem massiven Abbau der Lager zu rechnen sei, erwarte die Deutsche Bank für das erste Vierteljahr 2001 sogar ein deutlich negatives BIP-Wachstum von rund minus eins gegenüber dem Vorjahr. Und auch für das Gesamtjahr habe man die Wachstumsschätzung um weitere 0,5 % zurückgenommen. Zugleich erwarten die Experten eine weitere Senkung der Zinsen in den USA. Und schließlich heißt es: "Das Risiko eines Teufelskreises aus sinkendem Vertrauen und einer sich verlangsamenden Konjunktur, der zu einer anhaltenden Phase der Stagnation oder sogar einer Rezession führen könnte, hat sich damit erhöht (Wahrscheinlichkeit jetzt ca. 40 %)."

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