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07.01.2003

16:37 Uhr

IT-Firmen setzen auf Holographie

Neue Techniken schützen vor einem Verlust von Daten

VonCHRIS LÖWER

Weltweit entwickeln die Hersteller von Speichermedien Technologien, mit denen große Datenmengen sicher archiviert werden können. Neben DVD und Speicherbändern setzen die Firmen auf Hologramme.

DÜSSELDORF. Die Herausforderung in der Speichertechnik besteht nicht nur darin, dass die Datenmenge, die archiviert werden muss, ständig steigt. Die digitalen Informationen, die auf Festplatten, Disketten oder Datenbändern abgelegt werden, müssen auch Jahrzehnte später noch verfügbar sein. Eine CD-ROM ist zwar recht langlebig: Sie soll bei optimaler Lagerung immerhin 240 Jahre halten - wenn sie nicht durch Kratzer unlesbar geworden ist. Für private Nutzer gibt es zurzeit jedoch keine Alternative. Da hilft es nur, Sicherheitskopien anzulegen, um die Daten zu schützen.

Auch künftige DVD bieten keine größere Sicherheit - auch hier können die Daten durch Beschädigung der Oberfläche verloren gehen. Die DVD-Scheiben können jedoch weit mehr Daten speichern - bis zu 17 Gigabyte statt 700 Megabyte passen auf eine CD-ROM. Allerdings konnte sich die Industrie noch immer nicht auf ein standardisiertes Aufnahmeformat einigen. Im Frühjahr vergangenen Jahres haben sich zwar Branchengrößen wie Philips, Sony, HP und Ricoh zur Allianz "DVD Forum" zusammengeschlossen, die das wiederbeschreibbare DVD+RW-Format als Standard durchsetzen will. Dennoch haben Toshiba und NEC dieser Tage ein neues Format vorgestellt, das mit 20 GByte Speicherkapazität im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll.

Unternehmen setzen dagegen auch künftig weiter auf Bandspeicherung, weil diese am preiswertesten ist und die Kapazität der Kassetten rasch steigt. "Bald werden wir Bänder im zweistelligen Terabyte-Bereich anbieten", sagt Hans-Jürgen Rehm von IBM Deutschland. Ein Terabyte entspreche der 8 000fachen Datenmenge, die ein menschliches Gehirn während seiner Lebenszeit aufnehme. Aber ein Nachteil bleibt auch hier: Spätestens nach 25 Jahren müssen die Bänder umkopiert werden, weil sonst ihre Magnetisierung verloren geht. Eine Lösung für dieses Problem ist nicht in Sicht.

Deshalb blickt man auch bei IBM erwartungsvoll in Richtung holographischer Speicher. Holodisks sollen mehrere hundert Jahre haltbar sein und eine Speicherkapazität bis in den Terabyte-Bereich erreichen. "Allerdings ist deren Datendichte und Wirtschaftlichkeit wohl erst in sieben bis zehn Jahren so weit entwickelt, dass diese Technik markttauglich wird", prognostiziert Rehm. An der Entwicklung holographischer Massenspeicher wird seit 20 Jahren gearbeitet. Unternehmen wie IBM, Lucent Technologies oder die schwedische Optilink sind dabei Lösungen für holographische Speichermedien und Laufwerke zu entwerfen.

Damit Firmen künftig unabhängig von Magnetbändern, Disketten, CD-ROM und DVD ihre Daten sicher archivieren können, hat der US-Konzern EMC eine internetbasierte Hard- und Software-Lösung entwickelt, die Daten online verwaltet und verfügbar macht. Dabei geht es vor allem um die dauerhafte Sicherung gleich bleibender Inhalte, wie etwa Personaldaten, digitale Verträge und Röntgenbilder.

Die Daten werden zwar wie gehabt auf Platten und Bändern gespeichert, mit Hilfe spezieller Software wird jedoch sichergestellt, dass Informationen für Jahrzehnte lesbar bleiben und Veränderungen dokumentiert werden. Bisher gab es dafür kein Verfahren.

Bei der "Centera"-Lösung setzt EMC auf die Adressierung der Inhalte. Beim Speichern wird ein digitaler Fingerabdruck erzeugt. Durch Verschlüsselung erhält jedes Dokument eine einmalige Adresse. Ändert sich der Inhalt nur geringfügig, wird ein neuer Fingerabdruck generiert. So werden beim Abfragen Abweichungen von der Originaladresse sofort sichtbar. Die optimale Ausnutzung der Speicherkapazität, Wartung, Fehlerbehebung oder Upgrades geschehen automatisch. Derartige Speichersysteme rechnen sich aber auf Grund des hohen Preises (210.000 Euro) nur für Großunternehmen.

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