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24.01.2001

19:48 Uhr

Italienische Regierung gibt die Kaution des Mobilfunkbetreibers von vier Milliarden Mark frei

Blu-Konsortium bleibt Strafe für den Ausstieg aus der UMTS-Versteigerung erspart

Aufatmen beim kleinsten italienischen Mobilfunkbetreiber Blu SpA, Rom: Das Gemeinschaftsunternehmen von British Telecom Plc, London, Autostrade SpA, Rom, und Benetton muss keine milliardenschwere Strafe wegen seines frühen Rückzugs bei der UMTS-Auktion in Italien bezahlen. Das hat der Verwaltungsgerichtshof in Rom entschieden.

mab/HB MAILAND. Die Regierung hatte Ende Oktober die von Blu hinterlegte Kaution in Höhe von umgerechnet 4 Mrd. DM eingefroren, weil sie das frühe Ausscheiden des Bieters als Verstoß gegen die Regeln interpretierte. Blu war bei der Versteigerung nach nur zwei Tagen ausgestiegen und hatte damit die Auktion vorzeitig beendet. Hinter vorgehaltener Hand wurde über geheime Absprachen zwischen den Bietergruppen gemunkelt. Doch dafür gibt es bislang keine Beweise.

Das Unternehmen wollte die Nachricht zunächst nicht kommentieren, da die Begründung des Richterspruchs noch nicht vorliegt. Ein Sprecher der Hauptaktionäre Autostrade und Benetton (insgesamt 41 %) sagte: "Das Urteil spricht für sich selbst." Die Märkte reagierten positiv: Autostrade legten im Tagesverlauf an der Mailänder Börse um 5 % zu, auch British Telecom notierten fester.

Die italienische Regierung war dagegen enttäuscht. Kommunikationsminister Salvatore Cardinale sagte, die Regierung prüfe, ob sie gegen das Urteil vor dem obersten Verwaltungsgerichtshof Italiens Berufung einlegen werde. Politische Beobachter halten diese Alternative jedoch für unwahrscheinlich, da die Regierung angesichts des beginnenden Wahlkampfes daran interessiert sei, das unselige Thema UMTS endlich zu den Akten zu legen. Der italienische Staat hat durch die Vergabe von fünf UMTS-Lizenzen 12,2 Mrd. Euro eingenommen. Geplant waren Einnahmen von rund 25 Mrd. Euro.

In Branchenkreisen wird nun über Veränderungen des italienischen Mobilfunkmarktes spekuliert. "Durch die drohende Milliardenstrafe waren Blu und seine Aktionäre in den letzten Monaten handlungsunfähig", so ein Analyst eines Mailänder Brokerhauses. "Jetzt bietet sich für sie die Möglichkeit zu verkaufen." Als wahrscheinlichste Alternative wird immer wieder ein Zusammenschluss von Blu mit Ipse, einem Gemeinschaftsunternehmen von Telefonica aus Spanien, Sonera aus Finnland, Fiat und anderen genannt. Da Ipse eine der fünf UMTS-Lizenzen ergattert hat, selbst aber bisher kein Mobilfunknetz hat, würde eine solche Kombination Sinn machen. Nach vielen internen Querelen wolle vor allem British Telecom seinen Anteil von 20 % an dem kleinsten italienischen Mobilfunkbetreiber loswerden, heißt es. Blu ist im März vergangenen Jahres gestartet und hat etwa 500 000 Kunden.

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