Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2003

13:00 Uhr

Italienische Textilkette Oviesse denkt um

Comeback für die Kaufhalle

Die totgesagte Kaufhalle steht vor einem Comeback: Vor zwei Jahren schien das Schicksal dieser Traditionsmarke im deutschen Einzelhandel besiegelt, als Italiens Textilkette Oviesse fast 100 Filialen übernahm.

Filiale der Kaufhalle auf der Frankfurter Kaiserstraße, Foto: dpa

Filiale der Kaufhalle auf der Frankfurter Kaiserstraße, Foto: dpa

HB/dpa KÖLN. So schnell wie möglich wollten die Venezianer den schwächelnden Vollsortimenter aus Köln auf das in der Heimat erfolgreiche Konzept "Junge Mode für junge Familien" trimmen. Doch Verluste in zweistelliger Millionenhöhe im abgelaufenen Geschäftsjahr zwingen Oviesse nun zu einem Kurswechsel: Vielerorts sollen die bekannten Logos der Kaufhalle vorerst hängen bleiben.

"Wir haben unsere Strategie umgestellt. Es geht nicht mehr um die rasche Abschaffung der Labels Kaufhalle oder Multistore, sondern um eine Stabilisierung der Häuser", sagte Oviesse Deutschland-Chef Dieter von Aspern der "Lebensmittelzeitung". Bundesweit sieht er für Oviesse nur noch einen Bedarf von insgesamt etwa 50 Filialen, unrentable Standorte sollen verkauft oder geschlossen werden.

"Nötiger Feinschliff fehlt"

Bisher haben die Italiener 30 Standorte umgerüstet. "Wir haben zwar die Oviesse-Sortimente an den deutschen Markt angepasst, doch es fehlt noch an dem nötigen Feinschliff", räumte von Aspern Anpassungsprobleme ein. Inzwischen sei das Unternehmen auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern, um überschüssige Verkaufsflächen zu vermieten.

In Oviesse-Filialen sind bereits zahlreiche Supermärkte (Edeka, Kaisers, Rewe), Friseursalons (Essanelle) und Verbrauchermärkte (Extra) als Untermieter eingezogen. Formeller Eigentümer der Kaufhalle ist die Verwertungsgesellschaft Divaco, hinter der die Metro und Deutsche Bank stehen. Oviesse betreibt das operative Geschäft und zahlt Miete an die Divaco.

Kaufhalle macht Schlagzeilen

Schlagzeilen macht die Kaufhalle auch andernorts: Die Divaco hat beim Bundesgerichtshof Revision gegen ein Urteil des Kölner Oberlandesgerichts eingelegt. Dies hatte im August 2002 vier Klägern Recht gegeben, die sich bei einem ersten Verkauf der Kaufhalle AG innerhalb des Metro-Konzerns getäuscht sahen. Die Aktionäre verlangen einen Nachschlag in Millionenhöhe, weil der Kaufpreis angeblich um etliche Millionen heruntergerechnet worden sei. Oviesse ist von diesen Streitigkeiten aber nicht betroffen.

Für die Italiener wird es im laufenden Jahr ernst: Mit großem Aufwand soll versucht werden, die kaum bekannte Marke Oviesse im hart umkämpften Textilgeschäft besser zu platzieren. Besondere Erwartungen werden in die Zusammenarbeit mit dem Kaufhaus-Discounter Woolworth gesetzt. Die Frankfurter sollen Kaufhalle und Multistore mit gemischter Ware beliefern, Oviesse kann sich dann voll auf die Bekleidungssortimente konzentrieren. So könne man bis 2005 aus den roten Zahlen und auf einen Umsatz von jährlich 250 Millionen Euro kommen, hofft der langjährige Karstadt/Hertie-Manager von Aspern.

Ein Rückzug aus Deutschland komme nicht in Frage. Die Konzernmutter Coin, mit 1,6 Milliarden Euro einer der Marktführer im italienischen Textileinzelhandel, habe Investitionsbereitschaft signalisiert. "Ungeachtet der aktuellen Verluste bleibt Deutschland für die Gruppe Coin ein Kernmarkt." Die Auslandsexpansion ist beim Familienunternehmen aus der Lagunenstadt zur Schicksalsfrage erklärt worden: Scheitert der kostspielige Ausflug über die Alpen, dürfte sich für Coin der Traum einer europaweiten Ausdehnung erledigt haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×