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09.01.2001

18:25 Uhr

mab MAILAND. Tiscali, der italienische Internet- und Telefondienstleister, ist erst zweieinhalb Jahre alt. Seine Heimat, die Insel Sardinien, liegt weit ab vom Schuss und hat sich bislang eher als Touristenparadies denn als High-Tech-Standort einen Namen gemacht hat. Dennoch spielt Tiscali heute ganz vorn mit, im Poker um die Vorherrschaft auf dem europäischen Internetmarkt.

Durch die Fusion mit dem holländischen ISP World Online und die jüngste Übernahme des zweitgrößten französischen Zugangsdienstes Liberty Surf steht der sardische Aufsteiger - nach T-Online - auf dem zweiten Platz der kontinentalen Rangliste. Und Renato Soru, der 43-jährige Gründer und Chef des Unternehmens macht kein Hehl daraus, wohin die Reise gehen soll: "Wir wollen die größte Internet-Company Europas werden."

In der Riege der führenden europäischen Zugangsprovider spielt Tiscali die Rolle des frechen Herausforderers. Noch vor einem Jahr hätte niemand in Italien oder anderswo geglaubt, dass er bald schon dem Online-Anbieter "tin.it", einer Tochter des Giganten Telecom Italia, das Wasser reichen könnte. Heute heißen die Hauptkonkurrenten T-Online und Wanadoo. Das ist logisch und entspricht vollkommen der Strategie von Renato Soru, der schon immer auf eine Expansion im Ausland setzte. "Wir wollen die europäische Version von AOL werden", so lautet sein bis heute gültiges Credo.

In Italien gilt Soru als Symbolfigur der "New Economy" mit dem Status eines Pop-Stars. Keine Frage: Tiscali wird von einem Unternehmer, nicht von einem Manager, geführt. Anders als die Provider früherer Telekom-Monopolisten begann Tiscali schon früh eine europaweite Einkaufstour. In sieben Ländern ist Tiscali der zweit- oder drittgrößte Internetzugangsanbieter, in weiteren acht Ländern, darunter auch Deutschland, ist das Unternehmen präsent und versucht, den Abstand zu den Platzhirschen verringern, vor allem durch weitere Akquisitionen. So hat Soru indirekt bestätigt, sowohl Interesse an LineOne in Großbritannien, als auch an Germany Net in Deutschland zu haben. Geld ist trotz der Technologie-Baisse vorhanden: durch die Fusion mit World Online und den Kauf von Liberty Surf befinden sich etwa 1,6 Mrd. Euro in der Kasse. Ein weiteres Ziel ist, den Umsatz in 2001 von 450 Mill. auf 1 Mrd. Euro zu steigern.

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