Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2003

15:20 Uhr

Jäggi: „Gut für Moral und Kasse“

Halbfinal-Einzug stärkt Zuversicht beim FCK

Der Sieg im Elfmeterkrimi und der Einzug in das Halbfinale des DFB-Pokals haben den Verantwortlichen des von der Insolvenz bedrohten 1. FC Kaiserslautern dringend benötigten Rückenwind beschert. "Wir leben noch. Und ich gehe davon aus, dass wir auch weiter leben", sagte Clubchef René C. Jäggi vor den schwierigen Sanierungs-Verhandlungen und dem Treffen mit den Vertretern des Landes Rheinland-Pfalz, der Stadt Kaiserslautern und den Banken am Donnerstag.

HB/dpa BOCHUM. "Der Sieg ist gut für die Moral und die Kasse. Natürlich ist es schöner, mit einem Sieg im Rücken zu verhandeln, als wenn wir hier eine Klatsche bekommen hätten", brachte Jäggi seine verbesserte Gemütslage nach dem 4:3 im Elfmeterschießen beim VfL Bochum am Mittwochabend auf den Punkt. Das Halbfinale gegen Werder Bremen (4./5. März) im Fritz-Walter-Stadion spült rund eine Million Euro in die Kasse des mit rund 40 Mill. ? verschuldeten Clubs.

"An unserer prekären Finanz-Situation ändert das im Grundsatz aber nichts", meinte der Schweizer, dem bei der Vorstellung seines Sanierungskonzepts die sportliche Schützenhilfe der Elf von Trainer Erik Gerets gerade recht kam: "Die Superleistung zeigt: Es lohnt sich zu kämpfen. Die Spieler haben sich endlich als echte Mannschaft präsentiert." Auch der Coach des Bundesliga-Letzten genoss das lange vermisste Erfolgserlebnis. "Es ist gut für den Verein. In den letzten Tagen und Wochen haben wir immer nur auf den Kopf bekommen. Endlich gibt es mal wieder positive Schlagzeilen", meinte Gerets zufrieden.

Hauptverantwortlich dafür war der vierfache Torschütze Vratislav Lokvenc. Mit zwei Toren in der regulären Spielzeit (22./27.), dem 3:2-Führungstreffer in der Verlängerung (102.) sowie dem verwandelten Strafstoß im Elfmeterschießen trug der lange Tscheche maßgeblich zum Pfälzer Glücksmoment bei. "Jetzt haben wir die Chance, nächstes Jahr international zu spielen", sagte Lokvenc. Dabei soll es aber nicht so teuflisch zugehen wie 1996. Im Jahr des bis dato letzten Cup-Sieges mussten die Pfälzer den schweren Gang in die 2. Liga antreten. Ein böses Omen? Jäggi strahlt auch hier Optimismus aus: "Diesmal werden wir Pokalsieger und steigen nicht ab."

Viele Tränen flossen nach dem rassigen Pokalkampf vor 22 199 Fans bei Verlierer Bochum. Mit aller Macht wollte der zweimalige Pokal- Finalist (1968, 1988) in das Halbfinale. Der VfL träumte von Einnahmen, Imagegewinn und internationalen Auftritten. Am Ende scheiterte er mit dem denkbar knappsten Ergebnis. Tragische Figur war ausgerechnet ein früherer "Held". Beim zuvor einzigen Pokal-Duell gegen den 1. FCK am 22. September 1998 auf dem Betzenberg hatte der damals unbekannte Sebastian Schindzielorz bei seinem Profi-Debüt den entscheidenden Versuch im Elfmeterschießen für den VfL verwandelt. Nun leitete er mit dem ersten Fehlschuss die bittere Niederlage ein.

"Für mich schließt sich der Kreis. Aber ich denke, wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagte Schindzielorz. Doch die Tore von Frank Fahrenhorst (8.), Thomas Reis (33.) und Thomas Christiansen (105./Foulelfmeter) haben nur statistischen Wert. Trainer Peter Neururer, der in seinem sommerlichen Pokal-Outfit fror wie ein Schneider, war traurig, aber nicht mutlos vor dem Rest der Saison: "Zwei Teams haben sich einen bedingungslosen Fight ohne taktische Zwänge geliefert. Wir haben zwar das Spiel unglücklich verloren, aber nicht die Moral."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×