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30.01.2003

14:57 Uhr

Jäggi will Stadion verkaufen

„Jetzt wird amputiert“

Die dramatisch verschärfte Finanzsituation beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern hat Sport und Politik auf den Plan gerufen und Clubchef Rene C. Jäggi zum Offenbarungseid veranlasst. "Das Stadion muss verkauft werden. Es geht ums Überleben. Jetzt wird amputiert", erklärte der Schweizer am Donnerstag angesichts der Nachforderungen des Finanzamts an den Pfälzer Traditionsclub in Höhe von 12,9 Mill. ?.

HB/dpa KAISERSLAUTERN. Der drohende Ruin des abstiegsgefährdeten FCK wird nun nicht nur die Deutsche Fußball-Liga (DFL), sondern auch das WM- Organisationskomitee 2006 sowie Politiker und die Wirtschafts-Lobby beschäftigen. "Wenn die Summe sofort bezahlt werden müsste, wäre die Insolvenz nicht abzuwenden", gab "Retter" Jäggi zu, der Rechtsmittel gegen die Steuerbescheide einlegen will, um Aufschub zu erreichen und Zeit zu gewinnen. 8,3 Mill. ? der von der Steuerbehörde zugestellten Zahlungsaufforderungen seien unmittelbar fällig.

Als Jäggi im Spätherbst 2002 den "Sanierungsfall FCK" übernahm, war er von einem Gesamtverlust von 9,6 Mill. ? ausgegangen, der angeblich unter dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich entstanden war. "Die frühere Vereinsführung hat sicher guten Glaubens, aber fahrlässig gehandelt", betonte der Vorstands-vorsitzende Jäggi. Szenarien für den Verbleib in der 1. Bundesliga und den Abstieg in die 2. Bundesliga würden derzeit vorbereitet.

Den FCK drücken nach externen Schätzungen neben der Steuerschuld rund 30 Mill. ?, die den rund 17,5 Mill. ? teuren Ausbau des noch dem Club gehörenden Fritz-Walter-Stadions und damit auch die Arena als bereits gewählten Austragungsort für WM-Spiele 2006 gefährden. Der Vertrag mit dem bisherigen Bauträger Philipp Holzmann ist gekündigt worden. Ein Nachfolger soll in etwa drei Wochen genannt werden.

Die Landesregierung Rheinland-Pfalz hat angekündigt, den Club nicht über das bisherige Maß hinaus finanziell zu unterstützen. "Zusätzliche Mittel vom Land wird es nicht geben", betonte Finanzstaatssekretär Ingolf Deubel (SPD) in einem Rundfunk-Interview (RPR). Die SPD/FDP-Regierung mit FCK-Mitglied und Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) an der Spitze hatte bereits Sicherheiten und Garantien für die Gläubigerbanken sowie einen Millionen-Zuschuss für den WM-tauglichen Ausbau der Osttribüne gestellt.

WM-OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt erklärte dazu: "Die Schwierigkeiten sind uns bekannt, vom Verein auch total offen dargestellt worden. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen wie geplant durchgezogen werden." Es werde Wert darauf gelegt, dass mit "keiner anderen Stadt oder einem anderen Stadionbetreiber über Ersatzlösungen gesprochen wurde". Die für den Bundesliga-Spielbetrieb zuständige DFL blieb laut Sprecher Tom Bender noch zurückhaltend: "Der Club hat uns am Mittwochabend darüber informiert, aber wir äußern uns erst, wenn wir Kenntnis von Sanierungskonzepten haben."

Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig lehnte in einem Internet-Interview der Tageszeitung "Rheinpfalz" ein finanzielles Engagement ab: "Die Stadt hat kein Geld, um es einfach auf den Tisch zu legen. Wir wollen den FCK erhalten und mit dem Verein die WM 2006 und ein Stück Zukunft gewährleisten."

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