Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.07.2000

12:49 Uhr

ap MARBURG/WIESBADEN. Der Süßwarenhersteller Ferrero , der an die hessische CDU jahrelang geheime Barspenden in Höhe von fast einer Mill. DM geleistet haben soll, hat seinerseits von der Großzügigkeit eines Unionspolitikers profitiert. Wie das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf am Dienstag bestätigte, hat das Unternehmen für sein Werk im mittelhessischen Stadtallendorf jahrelang zu niedrige Gewerbesteuervorauszahlungen geleistet. Während die Prüfer für die Jahre 1993 und 1994 Vorauszahlungen von jeweils 40,2 Mill. DM für angemessen hielten, setzte die Finanzverwaltung der CDU-regierten Kommune lediglich 6,8 Mill. DM an.

Die Zinsgewinne, die Ferrero durch die niedrigen Vorauszahlungen hätte erwirtschaften können, werden auf 13 Mill. DM geschätzt. Wie die Staatsanwaltschaft Marburg berichtete, wurde nach Bekanntwerden der niedrigen Abschläge gegen den Bürgermeister von Stadtallendorf, Manfred Vollmer, ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue eingeleitet. 1997 sei das Verfahren aber gegen eine Geldauflage von 10 000 DM eingestellt worden. Der Leiter des Marburger Rechnungsprüfungamtes, Hermann Laukel, sagte, seine Behörde sei jahrelang von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Allein für die Jahre 1994 bis 1996 musste Ferrero für sein Werk in Mittelhessen Gewerbesteuer in Höhe von 52 Mill. DM nachzahlen.

Die hessische CDU hatte am vergangenen Freitag eingeräumt, dass sie in den 80er und 90er Jahren geheim gehaltene Barspenden in Höhe von rund 925 000 DM erhalten hat. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden bestätigte am Montag, dass es sich bei dem Spender um die Firma Ferrero handelte. Die Gelder seien dem langjährigen Schatzmeister der Partei, Casimir Prinz Wittgenstein, ausgehändigt worden, der sie an die Landesgeschäftsstelle weiter geleitet habe, erklärte CDU-Generalsekretärin Otti Geschka. Das Unternehmen habe für die gezahlten Beträge keine Spendenquittungen erhalten.

Ferrero war am Dienstag erneut nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×