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02.01.2001

11:06 Uhr

Jahres-Prognose schwierig

Der Schlüssel für das Baisse-Ende liegt in der Geldpolitik

Mit hohen Erwartungen gehen die internationalen Anleger in das Neue Jahr. Der Dax wird von vielen Häusern bei deutlich über 7 000 Punkten erwartet, der Neue Markt stark erholt.

vwd FRANKFURT. Mit hohen Erwartungen gehen die internationalen Anleger in das Neue Jahr. Der Dax wird von vielen Häusern bei deutlich über 7 000 Punkten erwartet, der Neue Markt stark erholt, der S&P-500 bei über 1 500 Punkten und der Dow-Jones bei oder auf neuen All-Time-Highs. Die hochgeschraubten Erwartungen sind zunächst einmal kontraproduktiv, denn sie zeigen, dass die Baisse an den internationalen Börsen die Stimmung noch nicht durchgreifend bereinigt hat. So wie die Hausse normalerweise in der Euphorie stirbt, endet die Baisse im Pessimismus. Doch von durchgreifendem Pessimismus kann bei den genannten Prognosen wohl kaum die Rede sein.

Wohl selten in den vergangenen Jahren war eine seriöse Jahres-Prognose für die Weltbörsen so schwierig wie dieses Mal. Die große Hausse von Mitte 1995 bis zum März diesen Jahres ist vorbei. Ein Hard Landing der US-Wirtschaft wird unvermeidlich auch die europäischen Volkswirtschaft nach unten reißen, besonders die Erträge export- und dollar-abhängiger europäischer Unternehmen wie der Auto-Konzerne brächen vermutlich regelrecht weg. Zwar sollten dann die langen Renditen stark fallen. Eine andauernde Fortsetzung der Baisse mit immer neuen Tiefstständen der großen Indizes wäre aufgrund stark fallender Unternehmensgewinne aber wahrscheinlich.

Soft-Landing könnte die Baisse beenden

Dagegen könnte ein sich abzeichnendes Soft-Landing die Baisse beenden. Der Schlüssel dafür liegt in der internationalen Notenbankpolitik, besonders in der Hand der US-Notenbank. Leitzinssenkungen könnten sogar den Boden für den nächsten enorm starken Hausse-Schub bereiten. Die angeblich hohen Liquiditätsreserven der Fonds reichen dafür nicht aus. Sie wären bei einem neuen Baisse-Schub vermutlich schnell weggeblasen. Sollten die Notenbanken schnell die Leitzinsen senken, würde die Geldschöpfung dagegen erleichtert. Am Anfang eines neuen Zins-Zyklus fließt das Geld erfahrungsgemäß nicht in realwirtschaftliche Investitionen, sondern zunächst nur in die zinssensitiven Titel an den Kapitalmärkten.

Mit dem Ende des Konjunkturtals am Horizont sind dann auch Zykliker wieder gefragt, weil die Gewinnerwartungen wieder steigen. Mit schnellen Leitzinssenkungen und einem soft landing der großen Volkswirtschaften könnte der Dax bereits im kommenden Jahr Richtung 10 000 Punkte steigen.

Solange in der Konjunktur noch keine Talsohle erkennbar ist und die Notenbanken nur verbal agieren, wird der Abwärtstrend dagegen vermutlich weiter Bestand haben. Leittragende eines solchen Szenarios wären dann vor allem zyklische Aktien. Zwar haben sich VW seit den Höchstständen bereits halbiert. In allen großen bisherigen Auto-Rezessionen hat sich die Aktie aber gedrittelt bis gesechselt, üblicherweise fiel sie immer von 650 DM auf 100 DM zurück, also von 33 auf gut fünf Euro. Üblicherweise schnitten Daimler in der Rezession immer besser ab, doch die sind nun über Chrysler ebenfalls zum Massenhersteller geworden.

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