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19.12.2011

14:50 Uhr

Jahresrückblick

Frédéric Oudéa - Frankreichs Gesicht der Krise

VonTino Andresen

Er musste immer die schlechten Nachrichten überbringen: Frédéric Oudéa, Verbandspräsident und Chef der Großbank Société Générale, verkörpert für die Franzosen die Krise. Und die Hiobsbotschaften sind noch nicht vorbei.

Sollte die Schuldenkrise eskalieren, müsste Oudéa als Bankenverbandspräsident weitere schlechte Nachrichten überbringen. dpa

Sollte die Schuldenkrise eskalieren, müsste Oudéa als Bankenverbandspräsident weitere schlechte Nachrichten überbringen.

Paris2011 war kein gutes Jahr für Frankreichs Banken. Sie haben ordentlich Federn gelassen, wie sich beispielsweise an der Entwicklung ihrer Aktienkurse oder der schlechteren Bewertung durch die Ratingagenturen eindrücklich ablesen lässt. Am meisten gelitten hat daran gemessen das zweitgrößte Geldhaus des Landes, Société Générale (SocGen). Und an dessen Spitze steht mit Frédéric Oudéa just der Mann, der als Präsident der französischen Bankenvereinigung auch oberster Repräsentant der gesamten nationalen Branche und damit für die Franzosen das Gesicht der Krise ist.

Trotz aller Probleme der Kreditinstitute hat der 48-jährige Oudéa sich bereits Mitte Oktober festgelegt: „Die französischen Banken brauchen keine öffentlichen Gelder.“ SocGen will sich laut ihm unter keinen Umständen die Kapitalbasis vom Staat stärken lassen, obwohl sie laut der europäischen Bankaufsichtsbehörde Eba bis Mitte kommenden Jahres zusätzlich 2,1 Milliarden Euro braucht. Stattdessen möchte der Absolvent der französischen Elitehochschule Ena auf die Aktionäre zurückgreifen. Das Geldhaus mache weiterhin Gewinn und könne daraus seine Rücklagen erhöhen.

Am 11. September wäre der Banker bei einem angeblichen Geheimtreffen im französischen Finanzministerium laut der Zeitung „Journal du Dimanche“ noch bereit gewesen, eine Milliarden-Kapitalspritze aus Steuergeldern zu akzeptieren, wenn auch die Konkurrenz sie in Anspruch genommen hätte. Doch Branchenführer BNP Paribas habe diesen Schritt verweigert und somit eine „softe Verstaatlichung“ von SocGen verhindert.

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Die Risiken von Frankreichs Banken in Griechenland hat Oudéa immer kleingeredet. „Die Gewinne der französischen Bankenbranche im ersten Halbjahr sind weit größer“, sagt er. Bei der Vorlage der SocGen-Geschäftszahlen für das dritte Quartal hat er reinen Tisch gemacht und griechische Staatsanleihen auf 40 Prozent des Nominalwerts abgeschrieben. Damit erfüllte er das, was an den Märkten gefordert worden war. Seine Begründung: „Die Priorität in diesen Zeiten der Unsicherheit liegt darauf, 2012 mit einem Maximum an Kraft und Muskeln anzugehen.“

In den Ohren der SocGen-Mitarbeiter dürfte das wie Hohn klingen. Denn das Geldhaus, das noch immer die Folgen der Anfang 2008 aufgeflogenen fünf Milliarden Euro teuren Betrügereien durch den Händler Jérôme Kerviel spürt, hat angekündigt, Stellen zu streichen. In Russland fallen 2000 Arbeitsplätze weg. In der Heimat sind etwa 600 Mitarbeiter im Investment-Banking betroffen. Damit geht in Frankreich jede elfte Stelle der Sparte verloren, die besonders leidet. Zudem streicht SocGen Stellen in Rumänien, Tschechien, Polen und Ägypten. Und auch die Aktionäre leiden nicht nur mit Blick auf den Aktienkurs: Société Générale, streicht die Dividende für das laufende Jahr. Damit und durch Verkäufe im Wert von vier Milliarden Euro will das Geldhaus den Kapitalbedarf aus eigenen Mitteln decken.

Sollte im kommenden Jahr die Schuldenkrise in Italien eskalieren, müsste Oudéa der Öffentlichkeit als Bankenverbandspräsident weitere schlechte Nachrichten überbringen. Denn in Frankreichs Nachbarland sind die drei Großbanken SocGen, vor allem aber Crédit Agricole und BNP Paribas viel stärker investiert als in Griechenland.

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