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22.01.2003

12:18 Uhr

Janaur-Umfrage von Reuters

Deutsche Fonds halten sich bei Aktien zurück

Das Interesse deutscher Fondsgesellschaften an einer Anlage in Aktien hat nach Einschätzung führender Portfoliomanager wegen der Ängste vor einem Irak-Krieg wieder nachgelassen. Entsprechend haben die Gesellschaften den Aktienanteil in ihren Fonds reduziert. Auf mittlere Sicht rechnen die Anlagestrategen allerdings weiter damit, dass Dividendentitel besser abschneiden als Staatsanleihen. Folglich überwiegt noch der Aktienanteil in den Portfolios.

Reuters FRANKFURT. Wie die Januar-Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zur "Asset Allocation" ergab, verringerte sich der durchschnittliche Anteil von Aktien in den Portfolios auf 53,6 Prozent nach 56,3 Prozent im Vormonat. Allein bezogen auf Aktien von Unternehmen aus der Eurozone wurde der Anteil um 1,8 Prozent verringert. Der Anteil festverzinslicher Papiere erhöhte sich leicht auf 43,6 Prozent von zuvor 43,0 Prozent.

Ihre Bargeldquote hoben die befragten Investmentgesellschaften im Durchschnitt auf 3,4 Prozent von zuvor 0,66 Prozent an. Allerdings ist diese Entwicklung vor allem auf einen statistischen Effekt zurückzuführen. Invesco Asset Management hatte im Vormonat noch keine Barreserven und erhöhte die Bestände nun auf zehn Prozent.

Vier der sechs Fondsgesellschaften, die sich an der Umfrage beteiligten, reduzierten vor allem den Anteil an Aktien von Unternehmen aus der Eurozone. "Als Folge einer defensiver ausgerichteten Strategie wurde die zuvor starke Übergewichtung von Euroland etwas reduziert", sagte ein Anlagestratege von der zur Commerzbank gehörenden Cominvest.

"Die Bewertung des europäischen Marktes ist insbesondere nach den Kursrückschlägen der vergangenen Zeit auf einem fairen bis günstigen Niveau angelangt", sagte Bernd Karstedt, Fondsmanager von Union Investment. "Das fundamentale Umfeld, die Aussicht auf sehr geringe Wachstumsraten in Europa und den USA, und auch der geringe Risikoappetit der Anleger sprechen für eine nur vorsichtige Übergewichtung von Aktien." Auch die Münchener Fondsgesellschaft MEAG geht davon aus, dass sich die Aktienmärkte in einer Phase der Bodenbildung befinden, die noch einige Zeit anhalten dürfte.

Bilanzskandale drücken aufs Vertrauen

Die Risikoscheu der Investoren wurde von den Fondsmanagern unter anderem mit der Verunsicherung durch die Irak-Krise begründet. Außerdem sei das Vertrauen in Dividendenpapiere weiterhin wegen der zahlreichen Bilanzskandale belastet.

Die Fondsmanager erhöhten den Anteil an Eurozonen-Aktien aus der Energiebranche auf 15 Prozent von 14 Prozent. "Ölunternehmen haben sehr gute Bilanzen, erwirtschaften einen hohen Free Cash Flow und können nicht nur mit dem aktuell sehr hohen Ölpreis gut leben. Sie werden auch davon profitieren, dass der Ölpreis nach Lösung des Irak-Konfliktes in 2003 über den langfristigen Niveaus liegen wird", sagte Stefan Liebl von Activest.

Bei Anleihen aus der Eurozone favorisierten die Gesellschaften weiterhin langfristige Papiere mit einer Laufzeit über fünf Jahre. Der Anteil dieser Rententitel erhöhte sich im Dezember den Angaben zufolge auf 57,1 Prozent von 56,5 Prozent im Vormonat. Der Anteil von kurzfristigen Papieren mit Laufzeiten von ein bis zu drei Jahren verringerte sich dagegen auf 21,3 Prozent von 23,7 Prozent.

Zurückhaltend äußerten sich die befragten Fondsgesellschaften zu Rentenpapieren aus den USA. Die Nachfrage nach Anleihen aus den USA und Kanada war mit 44,6 Prozent im Dezember nach 48,7 Prozent im November rückläufig. Die Portfoliomanager verwiesen unter anderem auf den schwachen Dollar, der weiter unter Druck bleiben dürfte, bis eine Lösung der Irak-Krise erkennbar sei.

An der Januar-Umfrage basierend auf Daten vom Dezember nahmen insgesamt sechs Investmentgesellschaften teil. Activest hat die Vergleichszahlen vom Monat November in den Bereichen Euro Bonds und Foreign Bonds geändert. Die Durchschnitte vom Vormonat haben sich deshalb verändert und entsprechen nicht der Dezember-Umfrage.

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