Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2003

08:05 Uhr

Japanischer Bankenriese wird im laufenden Geschäftsjahr weit höhere Verluste als geplant ausweisen

Mizuho plant Rekord-Kapitalaufnahme

Weil Japans Bankenminister Takenaka scharf durchgreift und mit Verstaatlichung droht, muss die führende Mizuho Bank ihre Kapitalbasis erheblich verstärken. Die geplante Ausgabe von Vorzügen im Werte von fast 8 Mrd. Euro ist ein Rekord - genau wie die für dieses Geschäftsjahr erwarteten Mizuho-Verluste.

bas TOKIO. Der führende japanische Bankenriese Mizuho will sein Kapital um rund 1 Bill.Yen (7,9 Mrd. Euro) aufstocken, um seinen massiven Bestand an faulen Kredite schneller abbauen zu können. Die Summe, fast ein Viertel ihres derzeitigen Kernkapitals (Tier 1), will die Bank gegen Ausgabe von stimmrechtslosen Vorzugsaktien bei institutionellen Investoren aus dem In- und Ausland sowie bei Unternehmenskunden einsammeln. Es wäre die größte Kapitalerhöhung in der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Zugleich gab Mizuho gestern bekannt, dass sie für das Ende März endende Geschäftsjahr statt 220 Mrd. Yen konsolidiertem Nettoverlust jetzt mit 1,95 Bill. Yen fast das Fünffache erwartet. Das wäre für japanische Banken ebenfalls ein Rekord.

Der Grund für die Verschlechterung ist die annähernde Verdoppelung der Rücklagen für Kreditverluste auf 2,03 Bill. Yen. Im November waren diese bereits kräftig angehoben worden. Damit zeigen die strengen Vorgaben von Bankenminister Heizo Takenaka schon in diesem Fiskaljahr Wirkung. Außerdem werden die Banken von Januar bis März von der Finanzaufsichtsbehörde FSA noch einmal genau unter die Lupe genommen und ihre größeren Kredite überprüft. Schon nach der Sonderüberprüfung im vergangenen Jahr mussten die Banken ihre Reserven erhöhen.

Angesichts der zusätzlichen Belastungen bleibt Mizuho nur über der für das internationale Geschäft nötigen Eigenkapitalquote von 8 %, wenn sie die bis Ende März geplante Kapitalspritze durchzieht. Selbst mit der Kapitalerhöhung erwartet das Management, dass die Quote bis Ende März auf 9 % sinkt, gegenüber 10,42 % Ende September 2002. Andererseits, so sagte der Präsident von Mizuho Holdings, Terunobu Maeda, werde die Bank über 8 % bleiben, selbst wenn der Aktienindex Nikkei 225 auf 7 200 Punkte fallen sollte. Mit der Kapitalerhöhung will die Bank um jeden Preis die von Takenaka angedrohte Verstaatlichung verhindern. Auch die anderen Großbanken haben mehr oder weniger mit den gleichen Problemen zu kämpfen und versuchen, sie mit ähnlichen Mitteln zu lösen. Sie dürften ihre Verlustprognosen in den kommenden Wochen ebenfalls deutlich anheben.

Auch der Verkauf von Aktien japanischer Unternehmen, von denen die Banken auf Grund früherer Verflechtungen jede Menge im Depot halten, kommt Mizuho in diesem Jahr teuer zu stehen. Denn trotz der niedrigen Kurse will die Bank die Entflechtung beschleunigen - zum Teil über Verkäufe an die japanische Zentralbank, um von Börsenschwankungen unabhängiger zu werden. Aktien für eine Billion Yen statt ursprünglich 700 Mrd. Yen will das Institut in der zweiten Geschäftsjahreshälfte abstoßen. 2004 darf in Japan der Aktienbestand das Tier-1-Kapital der Banken nicht mehr überschreiten.

Nach der Ankündigung der Kapitalerhöhung zog die Aktie mit dem Markt um 4,2 % an. Insgesamt wurde der Schritt positiv beurteilt. Moody?s und Standard & Poor?s ließen ihr Rating unverändert. Die Möglichkeit zusätzlicher Kosten wegen der faulen Kredite sei bereits einkalkuliert, hieß es. Mizuhos Plan einer schnelleren Kapitalgesundung sei posititv zu bewerten, argumentierte S&P. "Aber angesichts des schwierigen Geschäftsumfelds bleiben Bedenken, dass zusätzliche Kreditkosten auftauchen und dass Mizuho Schwierigkeiten haben könnte, die Ziele schnell zu erreichen." Auch Moody?s betonte die Verwundbarkeit Mizuhos, nannte die Erhöhung der Reserven aber "nötige Schritte, um die Lücke zwischen Bilanzierung und ökonomischen Realitäten zu verringern".

Zum Ende des Geschäftsjahres erwartet Mizuho noch 4,5 Billionen Yen an faulen Krediten - rund 500 Mrd Yen weniger als Ende September. Zwischen April und Oktober sollen die Kredite, bei denen eine Rückzahlung unsicher erscheint, in ein separates Unternehmen ausgegliedert werden. 2005 rechnet Mizuho noch mit 2,4 Billionen Yen an faulen Krediten. Dann soll die Bankengruppe mit Kosten, die um ein Fünftel gesenkt wurden, wieder Gewinn machen.

Quelle: Handelsblatt

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×