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29.01.2002

12:24 Uhr

Jenaer Biometrie-Firma macht Furore

Fingerabdrücken auf der Spur

Jeder Mensch hinterlässt sie - Fingerabdrücke. Diejenigen von Straftätern aufzuspüren ist Sache der Kriminalisten. Eine Hilfe bieten ihnen so genannte Live Scanner aus Jena.

dpa JENA. Dieses biometrische System kann die Abdrücke der Finger und Hand genauer und schneller erfassen, als es mit Druckerschwärze und Papier möglich ist. Zudem ermöglicht das opto-elektronische Gerät einen Vergleich mit einer zentralen Datenbank.

Mit der Entwicklung und Herstellung dieser digitalen High-Tech- Geräte hat sich die Jenaer Firma Heimann Biometric Systems GmbH weltweit einen Namen gemacht. Erst vor wenigen Tagen konnte das Unternehmen einen weiteren bedeutenden Rahmenvertrag in Großbritannien unterzeichnen. Wenn er bis Mitte 2003 realisiert ist, helfen etwa 250 Live Scanner aus Jena der Polizei und den Behörden in England und Wales bei der Suche nach Verbrechern und anderen Sündern. Auch Japan, die USA, Kanada, Norwegen, Frankreich, Italien, die Türkei und Australien verwenden inzwischen Scanner der vor zehn Jahren gegründeten Jenaer Firma.

Jenaer wollen Umsatz um 50 Prozent steigern

"Seit 1997 haben wir 1200 Live Scanner an unsere ausländischen Kunden geliefert", berichtet der Geschäftsführer Bernd Reinhold. Er will mit seinen 42 Mitarbeitern den Umsatz in diesem Jahr um 50 % gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 15 Mill. Euro (29,3 Mio DM) steigern und etwa 500 Scanner fertigen. Das Jenaer Unternehmen gehört zum Wiesbadener Rheinmetall-Ableger Heimann Systems GmbH, dem Marktführer bei Röntgenprüfgeräten für Post, Fluggepäck und Frachtgütern.

Nach ihrem internationalen Erfolg haben die Jenaer Live Scanner in Deutschland ebenfalls gute Chancen, beim Sicherheitsprogramm der Bundesregierung zum Einsatz zu kommen. In einem Feldversuch überprüften das Bundeskriminalamt (BKA) sowie Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen vor einiger Zeit die Aufnahmequalität von Live-Scan-Systemen. "Die Tests sind erfolgreich verlaufen, das Verfahren hat sich als geeignet für den Praxiseinsatz erwiesen", sagt der BKA-Sprecher Gerhard Schlemmer in Wiesbaden.

Marktanteil von 40 Prozent in Japan

In Jena wartet die Geschäftsleitung der Biometrie-Firma nun auf die Ausschreibung für das innovative Fingerprint-Verfahren, das bei der Polizei und den Behörden der Bundesländer zum Einsatz kommen soll.

Seine internationale Feuertaufe erlebte das Produkt aus Thüringen, das etwa so groß wie ein Bildprojektor an Schulen ist, 1997 in Japan. Dort wollte die Polizei als erste weltweit Scanner einführen, um Finger- und Handflächenabdrücke von Menschen direkt zu erfassen, ohne Tinte und Papier. Die Jenaer Firma gewann die Ausschreibung mit ihrem japanischen Partner Nihon Unisys gegen Weltkonzerne wie NEC, Fujitsu und Hitachi. "Wir haben dort jetzt einen Marktanteil von 40 %", freut sich Reinhold, der das Unternehmen 1992 mit einer Hand voll Forschungsmitarbeiter des Carl-Zeiss-Kombinates gründete.

Auf dem hart umkämpften US-Markt halten die Jenaer einen Anteil von etwa 30 %. Dort hat das FBI bereits an vier Jenaer Produkte ein Gütesiegel vergeben, das ihnen hilft, die Türen zu anderen Kunden zu öffnen. Weitere Absatzmöglichkeiten sieht Reinhold nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA bei Fluggesellschaften, die ihre Mitarbeiter überprüfen. Auch in Europa steige der Bedarf, wenn Fingerabdrücke von Asylbewerbern und Visa - Antragstellern künftig elektronisch erfasst werden.

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